#83 Was lehrt uns das WU-Gedenkprojekt über Ausgrenzung und Vertreibung, Johannes Koll?

Shownotes

Mit Historiker und Senior Scientist Johannes Koll spreche ich über das Gedenkprojekt der WU Wien, im Rahmen dessen die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler und Studierender von der Hochschule für Welthandel, der Vorläuferinstitution der WU, während der Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet wurde. Wir besprechen Opfer- und Tätergeschichten, etwa jene der Brüder Eder, und historische (Dis-)Kontinuitäten. Was kann die historische Exilforschung zu aktuellen Fragestellungen der Migration, Aufnahme und Ausgrenzung beitragen?

Online Gedenkbuch: https://gedenkbuch.wu.ac.at/

Transkript anzeigen

00:00:05: Herzlich willkommen

00:00:06: bei Aufnahme Bereit,

00:00:07: dem Podcast für Ankommende und

00:00:09: Aufnehmende

00:00:09: in der modernen Migrationsgesellschaft.

00:00:12: Sie hören diese Episode nicht nur auf den Podcast-Playern ihrer Wahl

00:00:16: sondern auch

00:00:16: auf Radio Orange.

00:00:42: Johannes ist Senior Scientist am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

00:00:46: Und er ist Leiter des Universitätsarchives Andervieh Uwin, wo er unter anderem an einem Gedenkprojekt mitgearbeitet hat.

00:00:54: Und über dieses Gedenkkrojekt wollen wir heute sprechen.

00:00:57: Wer wurde da erforscht?

00:00:59: Was wurde erinnert?

00:01:00: Und vor allem was hat das eigentlich mit Migration, Exil und Flucht zu tun?

00:01:05: Herzlich willkommen lieber Johannes.

00:01:07: Schön, dass du heute zu Gast bist!

00:01:09: Danke für deine Einladung.

00:01:11: Ja, Johannes ich möchte wirklich von ganz vorne beginnen für all jene Zuhörerinnen und Zuhörer die vielleicht bis dato gar nicht wussten dass es so ein Gedenkprojekt an der WU Wien gegeben hat.

00:01:22: Und das man das tatsächlich auch im öffentlichen Raum nämlich am WU Campus ansingen kann weil ein Teil dieses Gedenkkrojekts war auch ein physisches Mahnmal das einen sehr prominenten Platz bei unserem Campus erhalten hat.

00:01:35: Kannst du uns da vielleicht in die Anfänge zurückführen?

00:01:38: Wie kam es zu dem Projekt, wie ist das entstanden.

00:01:41: Wer hat sich dafür eingesetzt und wie ist dieser Prozess des Erinnerns abgelaufen?

00:01:47: Ja, der Ausgangspunkt für das Gedenkprojekt war die Anfrage einer älteren Dame aus den USA.

00:01:53: Sie wollte wissen was mit der Promotion ihres Vaters passiert war?

00:01:58: Der hatte als Jude kurz vor dem Anschluss Österreichs im März, in Österreich ein Marschiert war.

00:02:15: wurde er wegen seines religiösen Bekenntnisses zum Judentum nicht zu den Rigorosen zugelassen, also ein klassischer Fall von Diskriminierung aufgrund von religiösen und rassistischen Vorstellungen des NS-Regimes.

00:02:28: Und die älter Dame wollte wissen was ist da passiert?

00:02:32: Und diese Frage hat das damalige Rektorat unter Christoph Badels zum Anlass genommen einmal systematisch zu fragen Was passierte denn eigentlich mit den Studierenden der Hochschule für Welthandel nach dem oder im Zuge des Anschlusses Österreichs?

00:02:46: Und das war dann eben die Geburtsstunde des Gedenkprojektes, dass im November zwölf begonnen hat und eigentlich auch wegen fortlaufender Forschungen immer noch nicht abgeschlossen ist.

00:02:57: Vielleicht auch in gewisser Weise nie abgeschlossen werden kann, wenn man immer wieder manchmal durch Zufälle auf neue Personen oder Personengruppen sogar trifft die bisher noch nicht aufgefallen waren.

00:03:10: Und dieses Projekt hat mich sehr interessiert weil hier eben sehr unterschiedliche Aspekte mit hinein kamen, die große Weltgeschichte sozusagen konnte man personifizieren geradezu an den Schicksalen von einzelnen Menschen, die oft mit unter existenzbedrohender Art und Weise oder existenzvernichtende Art undweise von diesem politischen Regime des NS, des Nationalsozialismus betroffen waren.

00:03:38: Jetzt war ja am Anfang vor allem diese zentrale Forschungsfrage oder überhaupt die Frage, wie hat sich die Situation für Lehrende aber auch Studierende nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland verändert und welchen Schicksal waren die Menschen ausgeliefert?

00:03:53: Also das ist Flucht und Vertreibung.

00:03:55: Aber natürlich auch in letzter Konsequenz Mord der Stadt gefunden hat.

00:03:59: Wann kam die Idee dazu dass man das nicht nur Historisch aufarbeiten möchte, festhalten möchte in Publikationen.

00:04:07: Es gibt auch ein sehr gut gestaltetes online Gedenkbuch also werden wir einen Shownots verlinken wo man sich auch durch diese Schicksale durchklicken kann und sich darin vertiefen kann, sondern es kam ja dann noch schon zu diesem erwähnten physischen Mahnmal das geschaffen wurde.

00:04:23: Dass die Form eine Weltkugel hat wie gesagt an sehr prominenter Stelle mitten am neuen VU Campus steht und dass um die hundertzwanzig Namen glaube ich trägt von Personen, die verdrieben wurden.

00:04:38: War das vom Beginn ein Teil dieses Projekts oder stand irgendwann einmal fest, dass es nicht bei dieser Forschungsarbeit im Archiv bleiben soll?

00:04:47: Sondern dass es etwas braucht, das auch im öffentlichen Raum wirkt.

00:04:50: Von Anfang an waren zwei Dinge angedacht gewesen, zum einen das Internet-Gedenkbuch und zum anderen ein physisches Mahnmal.

00:04:59: Für Letzteres hat die WU dann zusammen mit der Akademie der Bildenden Künste in den letzten Jahren einen Wettbewerb ausgelobt, an dem Studierende bzw.

00:05:08: frisch von der Akademie abgegangene Absolventen sich bewerben konnten Und vonseiten der WU waren zwei Bedingungen gestellt worden.

00:05:19: Zum einen mussten die Namen der betroffenen Personen auf dem Mahnmal in irgendeiner Weise abgebildet sein oder erkennbar sein und zum anderen musste Raum sein für allfällige Erweiterung.

00:05:32: Tatsächlich ist im zugeweihtere Recherche seitdem das Mahnmall dann, am neun- und sechstehenden Jahresdag des Kriegsendes, am achtem Mai, feierlich eröffnet wurde habe ich weitere über dreißig Personen identifiziert.

00:05:47: Also mittlerweile sind es nicht mehr diese Hundertzwanzig, die es anfangs waren sondern wir nähern uns dann der hunderthundertvierzig und hundertfünfzig ungefähr.

00:05:57: Die genauen Zahlen hab' ich jetzt nicht mehr im Kopf vor allen Dingen weil seitdem auch wieder neue Personen bei mir sich angesammelt haben.

00:06:04: das heißt es wird auch noch in Zukunft zu weiteren Ergänzungen des Mahnmalskommens weil es eben ein offener Forschungsprojekt Prozess ist.

00:06:14: Und das waren die ursprünglichen Gedanken gewesen.

00:06:20: Im Kern sind das Gedenkbuch und das Mahnmal engstens miteinander verbunden, denn alle Namen, die im Gedenkk Buch erscheinen und zu denen Biografien im Gedingbuch präsentiert werden müssen auch auf dem Mahn mal dargestellt werden oder zumindest in Zukunft werden sie einmal dargestellt, werden sofern Sie noch nicht darauf vertreten sind.

00:06:42: Das war die Idee von Anfang an.

00:06:44: Also für mich bringt das man mal aufgrund der Form ja auch sehr stark diesen Connex zum Migrationflucht-Exil, zum Ausdruck weil ich sehe darin eine Weltkugel, eine sehr abstrahierte und die Verteutlichung dass diese Menschen, deren Namen dort abgebildet sind in alle Welt zerstreuit wurden, weil sie fliehen mussten und weil sie ins Exil gehen mussten.

00:07:07: Und das ist natürlich ein ganz, ganz wesentlicher Punkt auch die Vertreibung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

00:07:13: Die übrigens heute noch weltweit stattfindet in vielen anderen Weltregionen und eigentlich wieder zunimmt muss man sagen also dass es kein Thema von gestern im Gegenteil und doch die Vertreibung von Studierenden auf beiden Ebenen an.

00:07:27: Ist es so, dass viele dieser Geschichten, die ihr im Gedenkbuch versucht nachzusquizieren tatsächlich Fluchtgeschichten sehen.

00:07:36: Kann man das so formulieren?

00:07:38: Ja, zu einem großen Teil sind es Flucht-Geschichten oder zumindest versuchte Fluchtgeschichten.

00:07:45: Das gilt vor allen Dingen für diejenigen, die von den Nationalsozialisten als Juden im Sinne der Numergerasse-Gesetze von

00:07:51: n.A.S.A.,

00:07:52: betrachtet wurden.

00:07:53: nach der Definition der Nazis waren das Leute, die mindestens drei jüdische Großeltern Teile hatten Und für die war eigentlich schon beim Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im März, dass ihre schieren Existenzgrundlagen in Österreich prekär wurden.

00:08:09: Noch deutlicher wurde das knapp ein halbes Jahr später bei der sogenannten Reichspogrom macht wo systematisch Synagogen, jüdische Geschäfte geschendet in Brand gesetzt wurden und auch Juden willkürlich verhaftet, geschlagen, gefoltert und auch getötet worden.

00:08:24: Von da an war klar das Österreich kein sicheres Land mehr für ein Überleben als Jude hatte.

00:08:30: Und das führte dann dazu dass vor allen Dingen die Juden sehr schnell versuchten irgendwo hinzukommen außerhalb des damals sogenannten Großdeutschen Reiches zu gelangen Und das ist natürlich mehr als verständlich.

00:08:46: Andere Kategorien von Opfergruppen des Nationalsozialismus waren da weniger vom Betroffen, vor allen Dingen diejenigen, die nach den Nürnbar-Gerassegesetzen als Halbjuden oder Vierteljuden bezeichnet wurden, die also aus Sicht des NS-Regimes weniger böses Blut in sich hatten als die Juden an sich.

00:09:06: Bei denen war, zumindest während der Dauer des Zweiten Weltkriegs nicht unbedingt eine physische Lebensgefahr vorhanden.

00:09:15: Sie wurden auf andere Art und Weise diskriminiert und schikaniert auch an der Hochschule für Welthandele.

00:09:20: aber in den wenigsten Fällen haben die sich dann proaktiv um einer Flucht gekümmert.

00:09:25: Aber für den jüdischen Teil... Und das waren ein nicht unbeträchtiger Teil unserer Studierendenschaft war die Flucht, die Migration.

00:09:34: Die Immigration muss man hier genauer sagen dann einfach die einzige Möglichkeit um überleben zu versuchen.

00:09:41: und ein letzter Aspekt noch die Unterscheidung zwischen den österreichischen Juden und den Ausländigen ist ja auch wichtig.

00:09:48: diejenigen, die aus dem Ausland nach Wien gekommen waren um bei uns zu studieren.

00:09:53: Die haben meistens schon gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen schon in den nächsten Tagen ihre Wohnungen hier in Wien aufgegeben und sind dann in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

00:10:03: Das Pech für manche von denen war dass sie dann später als die Deutschen dann auch andere Länder, vor allen Dingen in Mittel- und Osteuropa überfallen haben.

00:10:11: Dann wieder in die Fänge der Nationalsozialisten gerieten und in diesem Zug sind dann auch einige natürlich ermordert worden.

00:10:18: So multiple Vertreibungsgeschichten?

00:10:19: Ja, so ist es!

00:10:23: Kannst du uns vielleicht ein paar ganz konkrete Schicksales schildern?

00:10:26: Auch mit Blick darauf, in welche Länder wurden denn die Menschen vertrieben?

00:10:30: Welche Länder waren denn in letzter Konsequenz die Aufnahmeländer wo sie dann wirklich dauerhaft bleiben konnten?

00:10:36: Natürlich wissen wir sind zum Beispiel die Vereinigten Staaten, aber auch weit darüber hinaus.

00:10:42: Die Schicksale, du hast es jetzt schon gesagt.

00:10:44: Es gibt einerseits wohl vieles Verbindendes denke ich mir also einerseits die ethnische Abstammung aufgrund der sehr viele Menschen vertrieben wurden dann auch die Tatsache dass sie Zugehörige an der Universität waren und das sie wollen in vielen Fällen auch eine Vielversprechende oder schon sehr gute erfolgreiche Karriere hinter sich hatten weil interessanterweise natürlich das auch ein Mitgrund war also die ökonomische Heberne Das klingt jetzt sehr hart, aber es ist für andere Platz gemacht, die diesen Platz ergriffen haben.

00:11:15: Da gibt's wahrscheinlich sehr viele Verbindende und Pararelen, dass man diesen Schicksalen findet... Dann aber wiederum meine ich, wenn man sich dadurch liest in diesem Gedenbreit gibt es natürlich auch sehr viele Unterschiedlichkeiten.

00:11:26: Jeder Schicksal ist auch sehr eigen in sich und zeigt natürlich auch ganz unterschiedliche Lebensrealitäten der betroffenen Menschen.

00:11:33: Kannst du uns vielleicht ein, zwei dieser Geschichten damit wir wirklich ein Bild neben all der Statistik vor Augen haben schildern?

00:11:40: Ja, vielleicht zunächst einmal.

00:11:41: Welches waren eigentlich die relativ sicheren Länder in denen man gelangen konnte?

00:11:46: Das waren wie du richtig gesagt hast, die USA, die allerdings auch sehr strenge Quotenregelungen hatten.

00:11:52: also in die Quote hineinzukommen war mitunter nicht ganz einfach.

00:11:55: da brauchte es viele Voraussetzungen auch finanzieller Art.

00:11:59: Es mussten Leute birgen die dort lebten und so weiter und support.

00:12:02: Aber trotzdem waren die USA in einem gewissen Sinne ein klassisches Aufnahmeland, dann das weitere Großbritannien und alle anderen Länder des britischen Commonwealth bis hin noch Neuseeland.

00:12:13: Also ans andere Ende der Erde hat es den Hans-Georg Stern beispielsweise verschlagen.

00:12:20: Das waren relativ sichere Länder.

00:12:22: Oder auch Palästina, das dann ab nineteen vierzig dann sich nach in Israel wandeln sollte, galt auch als relativ sicher zumindest so lange bis das deutsche Afrika-Kur sich anschickte auf Palästeiner zu erobern.

00:12:37: und das muss man auch sagen während des Zweiten Weltkrieges war beispielsweise üben eine Schifffahrt wohin auch immer nach Australien in die USA oder wo immer mit extremen Gefahren verbunden.

00:12:49: Man konnte sehr leicht von deutschen U-Booten topitiert werden und abgeschossen werden, ja?

00:12:55: Oder es gab auch Schiffe die dann nicht anlanden durften.

00:12:58: wir dürfen nicht vergessen dass alles war vor der Genfer Flüchtlingskonvention also das Recht in irgendeinem Land weltweit einen Asylantrag zumindest mal zu stellen gab es nicht.

00:13:07: dieses Recht wurde eigentlich erst genau aufgrund der Erfahrungen vieler Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus dann mitgestaltet durch die Genfer Konvention.

00:13:16: Also man sieht unmittelbar, wie das was wir jetzt ganz stark auch im politischen Diskurs wieder zur Disposition gestellt sehen.

00:13:24: Eigentlich die Ursprünge und Anfänge genau in diesen Erfahrungen vieler Vertrieben am Menschen während des Nationalsozialismus hat.

00:13:31: Genau, und gerade die Bedingung des Zweiten Weltkrieges der im September neununddreißig ausgebrochen ist haben dann auch manche unserer exilierten Studierenden erfahren müssen.

00:13:41: mitunter waren sie selber was ihnen selber gelungen irgendwie in ein relativ sicheres Land zu kommen.

00:13:46: Aber ihr Umzugsgut beispielsweise im Nobeljahr durfte dann nicht angelandet werden, weil eben die deutschen Schiffe sich weigerten in den Hafen eines alliierten Landes eines Kriegsgegners einzufahren oder auch die doch dem Behörden schlicht und ergreifend das Einlaufen eines deutschen Schiffes verweigerten.

00:14:05: Ob da jetzt Menschen drauf waren oder umzugs gut spielte dann eben keine Rolle mehr.

00:14:09: also es waren schon reale Gefahren, die dann eben auch wie du richtig sagst ... hineingespielt haben in die Nachkriegsordnung.

00:14:17: Da hat man dann, sagen wir mal, leeren gezogen aus den bitteren Erfahrungen... ...die die Menschheit vorher hatte machen müssen mit dem Holocaust und mit dem Zweiten Weltkrieg,... ...dem Schätzungen zufolge zwischen sechzig-und achtzig Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind.

00:14:33: Und da reden wir noch nicht von den physischen Vernichtungen von Landstrichen, Städten,... und von den Fasierten usw.

00:14:40: und so fort, also der Schaden das NS-Regime auch weltweit zusammen natürlich mit dem faschistischen Japan verursacht hatte waren gigantisch.

00:14:49: und gerade die Schicksale dann der vertriebenen Menschen, der Flüchtenden denen galt ein besonderes Aufmerksamkeit in Form der Genfer Flüchtlingskonvention oder der europäischen Menschenrechtskonvention.

00:15:02: ich denke da hat man versucht lehren aus der Vergangenheit zu ziehen.

00:15:07: Vielleicht um deine Frage nach Beispielen aufzugreifen, da möchte ich den Robert und Hans-Eder erwähnen.

00:15:13: Das war ein Studentenbar, ein Bruderpaar das beide an der Hochschule für Welthandel studiert hatte.

00:15:18: Und die hatten glücklicherweise Geschäftsbeziehungen nach Maltag – dass damals unter britischer Verwaltung stand.

00:15:27: um nach Malta zu emigrieren.

00:15:29: Da waren dann auch Bürgen für sie gewesen und ihnen ist es tatsächlich gelungen, und zwar der gesamten Familie – das heißt den Brüdern, da Schwester, den Eltern und sogar den Großeltern aus ihrem relativ gut situierten bürgerlichen Leben im Wiener VI.

00:15:44: und VII.

00:15:45: Gemeindebezirk nach Maltha zu emikrieren.

00:15:48: Das war nicht ganz leicht aber Sie haben es geschafft lebend rüberzukommen.

00:15:51: Sie standen in gewisser Weise unter britischem Schutz bis ans Kriegsende Und nach dem Krieg haben sie dann auch sich erfolgreich als Geschäftsleute auf Malta etabliert.

00:16:02: Robert Eder, den konnte ich tatsächlich noch als einzig lebenden jüdischen Studenten der Hochschlüffewild-Handel damals im Alter von zarten neunzig Jahren interviewn und das für mich wahnsinnig Interessante war dass er sich dagegen verwarte als Opfer betrachtet zu werden.

00:16:22: Seine Darstellung seiner Geschichte, seiner Biografie war, dass es eine bestimmte historische Situation gegeben hat.

00:16:29: Die hat er und seine Familie genutzt um ein neues Kapitel in ihrer Geschichte aufzuschlagen.

00:16:36: Natürlich war das mit Härten verbunden aber sie haben sich erfolgreich in Malta etablieren können Und der war stolz darauf auf diese Lebensleistung und konnte mit dem Begriff Opfer nichts anfangen.

00:16:48: Ich hingegen als Historiker muss natürlich sagen Das ganze Setting War auf Verfolgung ausgerichtet, wenn ich mir das NS-Regime aus der Vogelperspektive ansehe.

00:16:58: Zugleich muss ich sagen ja seine individuelle Perspektive seiner subjektive Perspektiven überzeugt mich auch und daraus kann man glaube ich auch allgemein etwas lernen nämlich aus diesen Fluchtgeschichten dass man denen die die auch die Flüchten nicht ihre Würde abspricht, dass man ihnen eine Chance gibt im Zielland sich etwas aufzubauen.

00:17:24: Zumindest denjenigen, die mit einem gut begründeten Rechtstitel sich im Land aufhalten, eine echte Chance zu geben.

00:17:31: Integration – das würde ich aus diesem Fall von Robert Eder und manch anderen aus der Geschichte des Gedenkbuches ableiten.

00:17:39: Dass man sozusagen das Integration nicht nur eine Aufgabe derjenigen ist, die da in ein Ziel dann kommen.

00:17:45: Sondern auch etwas von dem die aufnehmende Gesellschaft profitieren kann und zwar in einem unmittelbar ökonomischen Sinne.

00:17:53: Das heißt hier die Wahrung der Menschenwürde und auch Ein Zieland von Menschen, die ganz bewusst sich entschieden haben irgendwo anders hinzugehen.

00:18:06: Das alles miteinander zu verbinden – das dürfte eigentlich kein großes Grundstück sein für Politik!

00:18:12: Ich fühle mich, bei dem was du sagst wirklich sehr an Interviews erinnert die ich mit recenter geflüchteten Menschen, nämlich nach österreich gefluchteten Menschen geführt habe.

00:18:23: Wo der Blick auf ihre Situation im Herkunftsland etwa das Regime in Syrien, Stahlieber ein Regime Afghanistan oder anderswo und die gesamte Fluchtgeschichte die sie hinter sich haben auch zu dem Labour- oder zu den Begriff Opfer führen würden, weil da einfach viele Umstände sind denen man quasi komplett unterworfen ist und wo schwierig es auf dem ersten Blick eine Art von Agents oder Handlungsmacht zu erkennen.

00:18:50: Und ganz stark weisen aber gerade viele dieser Menschen meine Erfahrung nach Eben, wie du es jetzt auch skizzierst in einem ganz anderen Fall diesen Begriff Opfer von sich.

00:19:00: Sondern sehen Sie sich eigentlich stark als Überlebende und sehr kämpferisch als natürlich.

00:19:06: wir haben deine Zäsu im Leben.

00:19:08: Es gibt einen davor und danach.

00:19:09: die Migration ob sie zwanghafter folgt oder selbst wenn sie regulär erfolgt ist immer eine massive Zäsue im Leben.

00:19:15: Aber es ist etwas, was auch aus einem Wunsch von Selbsterhaltung selbst Verwirklichungen heraus gestaltet wurde.

00:19:23: Wir wissen ja aus der Migrationsforschung jene schaffen es regulär oder irregulär zu migrieren die überhaupt über gewisse Ressourcenfähigkeiten Fertigkeiten Kompetenzen verfügen und in dieses Kapital in jeglicher Dimension aktivieren können.

00:19:37: das finde ich sehr interessant.

00:19:38: aber das deckt sich eigentlich mit dem was du jetzt erzählst dass natürlich das systemische Blick muss uns So ein bisschen schematisch in diese Täter-Opferbeschreibung rein drängen, weil natürlich das ist das was wir zur Verfügung haben an analytische Brille.

00:19:52: Aber für die Betroffenen ist es diese Kategorie Opfer nicht unbedingt jene die sie auch spüren oder fühlen oder annehmen können sondern da geht es eher um ganz viel Selbstermächtigung die natürlich auch wirklich notwendig war um überhaupt ins Exil zu gelangen und sich im Exil, und das ist ja vielen gelungen muss man sagen wie du richtig sagst aufgrund von Integrationsleistungen etwas Neues aufzubauen.

00:20:16: Und auch etwas Konstruktives aufzubauern dass das Alte dann hinter sich erlassen konnte wobei die meisten ja die Wurzeln und Verbindungen doch irgendwie Aufrecht erhalten haben.

00:20:28: Der Ehrlichkeit halber muss man dazu sagen die Gesamtheit-Einträge im Gedenkbuch einmal anschaut, es auch durchaus Beispiele gibt wo sich die Betroffenen sehr schwer getan haben und sich zu integrieren.

00:20:40: Das lag vielleicht an der Trauer was sie alles haben aufgeben müssen.

00:20:44: Vielleicht lag's aber auch an der Aufnehmenden Gesellschaft oder an Gott weiß was für Faktoren.

00:20:49: jedenfalls nicht allen ist das sozusagen wirklich in dem Maße gelungen wie wir das bei den Edas vorhin besprochen haben.

00:20:57: Und manche haben auch sagen wir mal Ein Leben lang darunter gelitten, dass sie rausgeworfen worden sind.

00:21:03: Ohne das sie ja irgendwas falsch gemacht hatten.

00:21:05: Sie haben ja keinen Verbrechen begangen.

00:21:07: Deswegen hätte man sie bestrafen können.

00:21:09: Sie sind einfach rausgeworfen worden weil sie nicht in die Ideologie der herrschenden Klasse hineingelöhrten.

00:21:15: Also manche haben dann Schwierigkeiten gehabt, sich zu integrieren.

00:21:19: Und man muss auch bedenken dass für viele es auch wahnsinnig schwer war einen Neuanfang zu starten.

00:21:25: mitunter konnte man die Sprache nicht Die österreichischen Diplome wurden nicht anerkannt Manchmal mussten sie ihr komplettes Studium von vorne beginnen Wir hatten kaum soziale Kontakte vor Ort.

00:21:36: Das waren alles wahnsinnig schwierige Bedingungen, wo man dann auch sicherlich null Poolfaktoren um mal einen Begriff aus der aktuellen Migrationsforschung zu verwenden feststellen kann.

00:21:49: Anderen geben und da darf ich nochmal auf die Gebrüder Eda verweisen oder auch auf den vorhin schon kurz erwähnten Hans Georg Stern, der sich in Neuseeland John Stern nannte.

00:22:00: Der hat es geschafft erstmal selber ein... solider Steuerberater zu werden, nachdem aber auch nochmals ein Studium hat neu machen müssen.

00:22:09: Dass er eigentlich in Wien schon hinter sich gebracht hatte.

00:22:12: und sein Sohn den ich vor knapp zwei Monaten in Wellington besucht habe der ist ein führender Geophysiker geworden und ist nach wie vor in diesem von Erdbeben immer wieder gefährdeten Land einer der führenden Seismologen also keine unwichtige Figur für dieses Land.

00:22:32: Also das Ein weiteres schönes Beispiel dafür, dass es sich für ein Zielland wie ein Aufnahmeland durchaus lohnt Leute zu integrieren die willig sind und die Potenzial haben.

00:22:46: mit gar nichts angekommen sind, keinen Ressourcen meist nur mit dem viel zitierten letzten Hemd dass man noch am Leib trägt weil überhaupt nichts anderes möglich war in dieser Situation wo eine Flucht oftmals übernacht erfolgen musste.

00:23:00: Und die Nationalsozialisten ja auch systematisch alle Juden vorher beraubt hatten.

00:23:04: also sie durften offiziell auch nur mit ein paar Reismark in der Tasche ausreisen Und vorher hat man ihn aber auch wirklich alles abgenommen.

00:23:13: Also die standen tatsächlich finanziell vor dem Nichts und ohne Finanzkapital ein Unternehmen zu gründen beispielsweise, das erfordert schon einiges an Innovationsgeist.

00:23:25: Jetzt gab es ja in der Wirtschaftsuniversität Wien wie an vielen anderen Universitäten nicht nur jene, die aufgrund des nationalsozialistischen Regimes die Universität und das Land verlassen mussten, die sozusagen in dieser Kategorisierung in die Kategorie Opfer fallen, sondern es gab auch viele Täter oder Mitbeteiligte.

00:23:46: Oder mit Läufern und zumindest implizite Unterstützer des Regimes.

00:23:50: Die waren wohl wie insgesamt in dem Land in der Mehrheit.

00:23:55: Und das ist häufig in der Aufarbeitung der NS-Geschichte eines Landes aber auch eines Unternehmens einer Institution Meistens der sogar etwas heiklere Bereich kommt mir vor, weil wir mittlerweile gerade in den deutschsprachigen Ländern einen doch recht guten Umgang in der Gedenkkultur und des Gedenkens an Opfer gefunden haben.

00:24:15: Ich glaube das sind wir auch im internationalen Vergleich sehr gut und es werden jetzt Vorbilder gesehen.

00:24:21: Der Umgang mit Tätern ist weiterhin etwas schwieriger, weil der natürlich potenziell auch bedeutet dass man auf die eigenen dunklen Flecken hinsehen muss und daraus auch die richtigen Lernen für den Gegenwart ziehen muss.

00:24:34: Weil sämtliche Erinnerungs- und Gedenkarbeit hat natürlich nur dann einen wirklichen Mehrwert wenn sie auch in die Gegenwart ausstrahlt und wird was mitnehmen für Gegenwart und Zukunft.

00:24:45: Was hat denn eure Gedenkarbeit an der WU über die Täter in dieser Institution zu Tage gebracht?

00:24:52: Das Gedenkprojekt ist natürlich von seiner Natur hier opferzentriert.

00:24:57: Die Täter kommen nur an seltenen Fällen zum Tragen, Aber es gibt weitere Projekte, die wir seit einigen Jahren sehr aktiv an der WU betreiben und die, sagen wir mal in gewisser Weise das Gedenkprojekt dann von der Täter-Seite her auch ergänzen.

00:25:16: Ein Projekt beispielsweise läuft seit Jahrzehntausendzehn wurde also noch sogar vor dem Gedenkkrojekt implementiert an der wu.

00:25:23: Da recherchiere ich mit meiner Kollegin Regina Zodl, inwieweit im Kontext von nationalsozialistischer Volk um Bücher oder Zeitschriften in den Bestand unserer Universitätsbibliothek gekommen sind.

00:25:35: Das ist die sogenannte Provenienzforschung.

00:25:38: Das betraf natürlich vor allen Dingen jüdisches Eigentum, sprich, um in der Nazi-Sprache zu formulieren, arisiertes Eigentom und wir bemühen uns herauszufinden welche Bücher gehörten ursprünglich Jüdinnen und Juden Und wir versuchen darüber in Maus, den jeweiligen Rechtsnachfolgern diese Bücher dann zurückzugeben.

00:25:58: Ja also das ist da schon mal eine stärkere Täterzentrierung wo die Hochschule insgesamt als ein Teil eines Raubmechanismus eines Raubsystems dargestellt wird.

00:26:10: auf der Persönlich in Ebene ist ein weiteres Projekt sehr interessant, denke ich.

00:26:15: Ich habe nämlich die Aufgabe bekommen zu recherchieren, inwieweit die Ehrenträger unserer Universität – nämlich Ehrendoktoren, Ehrenbürger und Ehrenszenatoren – sagen wir mal einen gewissen Nahverhältnis zum NS-Regime gehabt haben.

00:26:31: Systematisch durchgearbeitet habe ich bereits die Gruppe der Ehrendocturen Und da hat die WU auch, ähm, in dem Sie einem der Hauptariseure des Landes, nämlich Walter Kastner, das Ehrendoktorat aberkannt hat.

00:26:48: Dass diesem, neunzehnunddreiundachtzig, äh, verlieren worden.

00:26:51: Bitte noch!

00:26:52: Neunzehntneinzeintreiundachzig noch muss man sagen?

00:26:55: In

00:26:55: der Tat.

00:26:55: Wir reden nicht von der NS-Zeit, wir reden auch nicht von den unmittelbaren Nachkriegszeit oder den ersten nachkriegster Zehnten sondern wir reden von neunzertreiund achtzig.

00:27:05: Und da kann man schon die Frage stellen, wie war denn das möglich?

00:27:11: Die Antwort würde ich nicht bei der WU selber sehen sondern im breiteren gesellschaftlichen Kontext verorten.

00:27:18: Denn wie sah sich die österreichische Gesellschaft bis Mitte der achtziger Jahre?

00:27:23: Sie sah sich primär als Opfer!

00:27:26: Und zwar als das erste Opfer von Hitlers aggressiver Außenpolitik, denn tatsächlich bedeutete der Anschluss Österreichs ja dass Österreich als eigenständiges Land aufgelöst wurde und dann ins Deutsche Reich inkorporiert wurden.

00:27:39: Das aber auf der gesellschaftlichen Ebene da unendlich viele Österreicher und Österreicher erinnern Aktivtäter waren oder in irgendeiner Weise, wie du es ja auch hinter der Frage formuliert hast mitgelaufen sind.

00:27:50: Oder als den Unzehnten aufgetreten sind und so weiter und so fort.

00:27:54: Das blieb bei dieser Opfer-Tese natürlich vollkommen außen vor.

00:27:58: Und schlimmer noch das dominierende Narrativ an neben der Opfer Tese bis Mitte der Achtzigerjahre die Aussage dass die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs die Soldaten, die nicht zurückgekehrt sind oder die dann versehrt zurückgewehrt sind waren Möglicherweise auch diejenigen, die von einer angeblich ungerechten Siegerjustiz verurteilt worden waren.

00:28:21: Das sollen angeblich die obaren Opfer gewesen sein oder die Zivilisten, die ausgebrannt wurden durch die alliierten Luftangriffe.

00:28:29: Jüden und Junen kam das so gut wie gar nicht vor.

00:28:32: Und das änderte sich fast schlagartig im Jahr neunzigzechsten achtzig

00:28:36: Waldheim

00:28:37: Die Waldheim-Affäre Um es ganz kurz zu machen, der damals konservative Kandidat für das Bundespräsidenten.

00:28:46: Bei dem war bekannt geworden im Zuge des Wahlkampfes dass er auch braune Tupfe auf seiner scheinbar weißen Weste hatte und Er gehört sicherlich nicht zu den Zentralen Kriegsverbrechern, aber er hatte schon, er hatte beispielsweise der Reiter SA angehört.

00:29:05: Er war als hochrangiger Offizier durchaus, war ihm bewusst welche Verbrechen auf dem Balkan die Wehrmacht und SA- und SS Verbände vergibt hatten.

00:29:17: Und das alles hat er jahrzehntelang geläugnet.

00:29:19: Und dieses Leugen – das war das was jetzt plötzlich nicht mehr ging!

00:29:22: Dass man sagte ich habe ja nur meine Pflicht getan bitte schön Das ging plötzlich nicht mehr.

00:29:27: Dann stellte man die Frage ab Mitte der achtziger Jahre, was ist denn das für ein komischer Pflichtbegriff Menschen zu töten?

00:29:34: Zivilisten zu töken, Kinder Frauen zu ermorden bloß und Männer zu ermordnen bloß weil sie eine andere Religionsbekenntnis haben.

00:29:41: Das kann doch wohl nicht mit dem Pflicht Begriff gedeckt werden Und da änderte sich etwas.

00:29:46: Es dauert dann immer noch sehr lange bis dann so etwas auch auf Organisationen wie Universitäten Beforscht wurde, systematisch beforst wurde.

00:29:57: Aber immerhin der erste Anstoß war, hat neunster sechsten achtzig gegeben und die wu hat dann mit einer ja gewissen zeitlichen Verzögerung ab zwei tausend zehn mit dem Prognensprojekt ab zweitausend zwölf da mit dem Gedenkprojekt und ab etwa zweitausendsechzehn mit dem Ehrungsprojekt ich denke richtige Schritte gesetzt.

00:30:17: Wie würdest du sagen, ordnet sich die WU da ein?

00:30:21: Oder in den Hochschulkontext im Vergleich zu anderen Universitäten, Hochschulen des Landes oder auch international.

00:30:28: Die natürlich alle in irgendeiner in irgendeiner Art und Weise ihre eigene Geschichte aufgearbeitet haben.

00:30:34: Und die wahrscheinlich auch vor so schwierigen Entscheidungen standen, wie soll man eher ein Doktorate oder einen Titel aberkennen?

00:30:39: Ja oder nein!

00:30:41: Wie gehen wir mit verschiedenen Themen um, die da aufkommen im Zuge solcher Forschungsarbeiten?

00:30:48: Ist die WU da auf einem guten Weg?

00:30:49: Sagst du, da gäbe es noch weitere Möglichkeiten, die man ausschöpfen könnte.

00:30:55: Gibt es vielleicht auch national wie international Best Practice Beispiele an denen man sich orientieren

00:31:00: sollte?".

00:31:01: Also allgemein gesprochen hinkt Österreich in der Hinsicht ein bisschen Deutschland hinterher – das sagen wir mal im Zuge der Studentenurworter von plötzlich gefragt hat.

00:31:13: Herr Vater, Herr Großvater was hast du denn im Zweiten Weltkrieg eigentlich gemacht?

00:31:17: Da ging das sagen wir mal etwa zwanzig Jahre vor der Waldheimaffäre schon los mit der kritischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

00:31:25: aber in Österreich bedeutete eben wie vorhin schon dargelegt die Waldheim Affäre einen sehr intensiven Start und ich würde sagen dass die WU mittlerweile sie gehört sicher nicht zu den zur Avongard der Aufarbeitungen ihrer NS Vergangenheit Aber mittlerweile hat sie, denke ich, einen sehr guten Status erreicht.

00:31:46: Vor allen Dingen wenn wir die verschiedenen Projekte zusammen denken, steht die EU wirklich gut da?

00:31:51: Gedenkprojekt-, Ehrungsprojekt-Provenienzforschung... Überdies gibt's seit einigen Jahren an der EU einen Zusammenschluss von Forschern unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit dem Beforschungen des Antisemitismus am Arbeitsplatz in Unternehmen aber auch in vergleichbaren Organisationen wie Universitäten befassen.

00:32:10: Die nennt sich SABE, Studying Antisemitism in Business and Economics.

00:32:16: Und diese Initiative ist immerhin für den Simon Wiesenthalpreis, Und als Angehöriger auch dieser Initiative darf ich sagen, dass wir uns auch heuer wieder beworben haben für den Preis für das Jahr zwei tausendfünfundzwanzig.

00:32:31: Und es wäre natürlich eine schöne Anerkennung der Arbeiten an der WU wenn wir auch diesmal wieder in dem Genuss dieses prestigeträchtigen Preises oder mindestens da Nominierung kommen würden.

00:32:43: also für Daumendrucken bin ich dankbar.

00:32:46: Wie herausfordernd ist die zeitliche Komponente.

00:32:49: Ich frage deshalb, weil wir auf der einen Seite natürlich gerade jetzt in einem Zeitpunkt angekommen sind oder die letzten lebenden Zeitzeugen bald nicht mehr unter unsweilen werden.

00:32:58: Das heißt dieses Privileg das du erwähnt hattest mit einem neunzigjährigen Zeitzeug noch ein Interview führen zu können, dass wird sehrbald in dieser Form gar nicht mehr geben.

00:33:08: Das andere ist und das nehme ich schon stark auch wahr, weil Anfang zwanzig Sinn.

00:33:18: Und die in Generationen gedacht, jetzt eigentlich wirklich schon weit weg sind von den neunzehntreißiger Jahren und das macht sich auch irgendwo bemerkbar.

00:33:26: Ich nehme das selbst wahr als jemand, der in den Achtzigern geboren ist wo der Schreckendes Nationalsozialismus irgendwie noch viel vergreifbarer war.

00:33:36: ich war sicherlich eine der ersten Generationen die nicht mehr die Opfer-Tese gelernt haben in der Schule.

00:33:40: im Gegenteil aber ich nehme bei meinen Studierenden ist das fast schon weit zurückliegende Geschichte nicht mehr fassbar.

00:33:49: Und wieder war gleichzeitig von großen geopolitischen Krisen und Herausforderungen überlagert, nicht zuletzt Israel-Gaser wo ganz unterschiedliche andere Formen von Opfertäter Diskurs umso weiter gefahren werden.

00:34:02: Das macht es schwierig für junge Menschen sich zu verorten, würde ich sagen in dieser Frage.

00:34:07: Ist das insbesondere für Universitäten eine Herausforderung?

00:34:11: Ich meine es ist im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich weniger präsent als an den Unikampussen in den USA wo du einerseits stark auch antisemitisch gefärbte Protestbewegungen mittlerweile siehst.

00:34:22: ja auf der anderen Seite aber jegliche Form der Israel-Kritik sofort unter Antisemitismus verdacht fällt sind ganz große Fragen.

00:34:29: ich glaube die werden wir heute nicht erörtern können.

00:34:32: beeinflusst das auch diese Art von Gedenkprojekt und Gedenken, nämlich nicht nur in der Ausarbeitung Erforschung aber dann auch an... in der Vermittlung an eben diejenigen, die besonders notwendig sind um das weiterzutragen.

00:34:45: Nämlich die junge Generation Studierende der Wirtschaftsuniversität.

00:34:49: Ja also was du absprichst kann ich nur voll unterstreichen.

00:34:52: zum einen ist dass sagen wir mal das wegsterben und zwar im ursprünglichen biologischen Sinne das Wegsterben der Zeitzeugen aus der NS-Zeit natürlich eine enorme Herausforderung an die Geschichtsideaktik.

00:35:05: Früher sind tatsächlich Überlebende von Konzentrationslagern an die Schulen gegangen und konnten dann sehr authentisch berichten, was ihnen widerfahren war.

00:35:13: Welche Abgründe zu welchen Abgründen die Menschheit in bestimmten Situationen fähig ist?

00:35:19: Und ich denke das hat viele vielleicht auch immunisiert zumindest interessiert und zum Nachdenken bewegt.

00:35:26: Das fehlt uns tatsächlich jetzt.

00:35:28: und wie du auch richtig sagst Die Problematik, die wir mit der Showa haben wurde überlagert durch ... eine neue Form von Antisemitismus, die es zwar immer gegeben hatte.

00:35:41: Man darf auch sagen durch den Jahrhunderttee hinweg gegeben hat nämlich muslimisch orientierten und motivierten Antisemitismus der aber nun auch stärker in unseren eigenen Gesellschaften einer Rolle spielt und mit beispielsweise islamistischen Terroranschlägen ja auch ein brutales Gesicht zeigt.

00:36:01: Und das ist sozusagen eine weitere Herausforderung an die Gesellschaft insgesamt, aber auch geschichtsthidaktische Art für Schulen genauso wie für Hochschulen.

00:36:14: Ich denke dass man gut daran tut... nach wie vor die Geschichte des Holocaust sich klar vor Augen zu führen, deren Bedeutung für politische Prozesse, für politischere Regime sich vor Augen zuführen.

00:36:26: Denn wir sind nicht gefallt davor das erneut faschistische Regime oder Regime, welcher Art auch immer gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen Genozide verüben.

00:36:36: Da gibt es eben noch andere Beispiele aus der Geschichte und so etwas kann man in Extremis anhand des Nationalsozialismus nach wie vor beforchten.

00:36:43: also die Relevanz dieser Forschungsrichtung ist unbenommen.

00:36:47: zugleich muss man natürlich durchaus sehen dass es eben auch komplexere Herausforderungen gibt Wie schwierig die Beurteilung der Situation ist, selbst für Philosomie-Semiten wie ich es erklärtermaßen bin.

00:37:05: Ist nicht immer ganz einfach zu verstehen, wie eine Lösung im Naustkonflikt aussehen könnte?

00:37:13: Das ist eher zum Verzweifeln muss ich ehrlich sagen.

00:37:16: Trotzdem hat mich dann auch der Überfall der Hamas vom siebten Oktober zwar nicht an den Holocaust, aber wohl an die unzählige Progrome.

00:37:25: Die Jüdinnen und Juden in den vergangenen Jahrhunderten erlebt haben durchaus erinnert.

00:37:31: also dass dann historische Reminiscenzen wach werden.

00:37:34: das ist nicht verwunderlich.

00:37:36: Und das muss man alles denke ich berücksichtigen wenn man über Antisemitismus spricht und auch wenn man sich den Aust-Konflikt vor Augen führt.

00:37:44: Und eines ist ganz klar einfache Lösungen kann es bei dieser historisch gewachsenen Problematik nicht einmal ansatzweise geben.

00:37:52: Das ist so komplex, dass man das auch mit Militärschlägen oder Prokomen nicht lösen kann?

00:38:00: Ich denke, dass die moderne Migrationsgesellschaften der wir uns befinden da natürlich das Level an Komplexität erhöht weil die Bevölkerung als solches einfach diverser ist als unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg.

00:38:13: Auch weil sie, kann man sagen, während des Zweiten Weltkrieges – das haben wir jetzt ausführlich besprochen – zwangshomogenisiert wurde mit autoritären repressiven Mitteln.

00:38:22: Was aber natürlich auch bedeutet, dass wir ganz unterschiedliche Zugänge haben und dass wenn was ein Antisemitismus betrifft auf der einen Seite ja es gibt einen Antisemitism, der politisch links zu verordnen ist oder da muslimisch knotiert ist und gleichzeitig gibt's noch ganz stark eine rechtsradikale neonazistische Szene die eigentlich einmal starken ist wieder aufleben lässt, denken wir an die Liederbuchaffäre vor einigen Jahren noch in Niederösterreich.

00:38:48: Das macht es schwieriger weil ich meine dass jede Form eine eigene Antwort auch braucht, weil die Proponenten noch immer ganz anders sind und gleichzeitig glaube ich schon das auch diese Vermittlung des weiten Weltkriegs der Schrecken der Shoah

00:39:03: usw.,

00:39:04: in einer diversen pluralistischen Migrationsgesellschaft vielleicht auch andere Formen benötigt und andere Anknüpfungspunkte.

00:39:12: Und ich finde es sehr schön, dass es die Projekte gibt zwar in Deutschland aber auch in Österreich sind sie zaghafterm entstehen.

00:39:19: Dass man versucht gerade bei Kindern und Jugendlichen aus muslimischen Familien oder mit Migrationshintergrund, die natürlich auch diese deutsche deutschsprachige Geschichte nicht über Generationen hinweg in der Familie abgebildet haben und jetzt neu zu diesem Themenkomplex kommen, den ein sehr schwieriger Thema ist, dass man da eigentlich an eigene Erfahrungen anzuknüpfen, immer zu schauen wo gibt's etwas wo ich auch in die emotionale Verbindung herstellen kann.

00:39:47: Vielleicht ist es auch die Exil-Erfahrung ja?

00:39:50: Die ich auf einer anderen Ebene in der eigenen Familien machen musste.

00:39:53: vielleicht ist es die Erfahrung von Vertreibung und Diskriminierung von Ausgrenzung ohne die beiden Dinge gleichsetzen zu wollen aber zu versuchen das eigentlich als Ressource zu sehen um nicht automatisch davon auszugehen dass es hier nur Widerstände gebe und keinerlei Verbindungsmöglichkeiten.

00:40:09: da sehe ganz zentral.

00:40:11: Das passiert in einigen Projekten immer wieder, ich weiß nicht ob es im großen Diskurs so Abbildungen findet wie es vielleicht notwendig wäre?

00:40:19: Also es wäre fatal wenn man sozusagen den Antisemitismus oder sich nur auf den Antisémitismus konzentrieren würde und Anti-Islamismus oder Anti-Ziganismus oder was auch immer es für vergleichbare Phänomene gibt außen vorlässt.

00:40:32: nein alle diese Formen von Ausgrenzung Stigmatisierung Diskriminierung müssen untersucht werden.

00:40:40: oder Vergleiche zwischen diesen verschiedenen Formen von Ausgrenzungen sind, glaube ich wissenschaftlich aber auch für politische Entscheidungsfindungen durchaus von Relevanz.

00:40:51: Und in der Hinsicht ist zum Beispiel auch meines Erachtens interessant das oftmals die erste Generation derer die ausgewandert sind oder geflüchtet sind eher den Tendenz haben sich so rasch wie möglich zu integrieren und eher weniger über die Ursachen und die Vergangenheit zu reflektieren.

00:41:11: Das sind dann Dinge, die oftmals erst in der zweiten oder dritten Generation zum Tragen kommen damit einer besonderen emotionalen Virulenz manchmal auch mit gewaltförmigen Äußerungen, zum Beispiel in den siebziger Jahren gab es in den Niederlanden Terroranschläge von sogenannten Molukken.

00:41:30: Das waren Nachfahren von Indonesien also die aus der holländischen Kolonialzeit in die Niederlands gekommen waren nachdem Indonesien neunundvierzig unabhängig geworden war Und die fühlten sich dann auch abgeschoben.

00:41:46: Denen wurde nicht der Respekt gezeugt, den sie als frühere Mitarbeiter der holländischen Verwaltung in Indonesien eigentlich erwartet hätten und das äußerte sich dann erst in der zweiten dritten Generation.

00:41:58: ein weiteres Beispiel also ich vor zwei Monaten in Neusieland war.

00:42:02: da hatte ich die Gelegenheit im dochigen Holocaust Center einen Vortrag über unser Gedenkprojekt an der WU zu halten vor Leuten die sich die second generation nennen also nachfahren Und die waren offensichtlich viel engagierter und wissbegieriger als die eigentliche Elterngeneration, die ja direkt von der Emigration und von der Flucht betroffen waren.

00:42:26: Während mein Vortrag in Wellington relativ akademisch gehalten war, war die Diskussion nach es sehr emotional gehalten.

00:42:34: Das hat mir sehr klar gezeigt dass eben diese zweite Generation die Flucht, die Vertreibung sehr viel emotionaler angesprochen hat, bewegt hat als die eigentlich betroffene Generation.

00:42:48: Und das glaube ich kann man für die Forschung zu Antisemitismus wahrscheinlich aber auch zu Anti-Islamismus, Antiziganismus und weiteren Formen durchaus einmal berücksichtigen.

00:43:00: Ich denke dass sich da interessante Perspektiven ergeben.

00:43:04: Das finde ich einen sehr guten Schlusssatz jetzt, in diese Richtung nämlich weiterzudenken.

00:43:09: Wir haben ja auch gerade im Akademischen dieses schönen Begriffe der Interdisziplinarität und Transdisziplinärität.

00:43:15: Ich glaube wir haben heute gezeigt wie einerseits die Geschichtswissenschaft sehr viel von der Migrationsforschung lernen kann und umgekehrt also auch da glaube ich sehr willbefruchtendes aber auch unterschiedliche Ausgrenzungsdynamiken immer auch miteinander zu denken.

00:43:30: deshalb weil wenn man eine tiefe Gräbte erkennt dass darunter liegende Strategien sich sehr oft ähneln.

00:43:37: Also sozusagen ein wir und ein anderes, einen Aufteil von Menschen, Verhindern von Gemeinsamkeiten finden, Verbindungen herstellen

00:43:46: etc.,

00:43:47: das sind häufig so Faktoren die sich durchziehen und dir aber auch erste Wahnsignale eigentlich senden sollten wenn wir sie erwischen.

00:43:56: Lieber Johannes, vielen Dank, dass du heute mein Gast warst.

00:43:59: Dass du uns Einblick gegeben hast in dieses sehr wichtige Gedenkprojekt der WU Wien.

00:44:03: Es ist eigentlich ongoing wie du sagst es ist vielleicht nie ganz abgeschlossen was auch wichtig und richtig so ist Und wir sprechen hiermit auch die Einladung aus.

00:44:12: Sich gerne jederzeit, weil der Campus ja jederzeit offen ist das Mahnmal eben wie gesagt mitten am Campus stehen eine große Weltkugel als Stahl sich anzusehen und dort vielleicht auch mal die Namen zu lesen und man kann dann im Gedenkbuch online auch die Geschichten dahinter erkunden.

00:44:32: Man kann auch erkunden in welcher Art und Weise es sich die Wirtschaftsuniversität Wien als eine Hochschule in Österreich sich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt hat und das weiterhin tot.

00:44:44: Vielen Dank, lieber Johannes!

00:44:45: Danke viel, dass du dir gesprochen

00:44:47: hast.

00:44:47: Und bei euch sage ich auch herzlichen Dank, dass ihr wieder dabei wart.

00:44:51: Ich freue mich, wenn ihr das nächste Mal bei Aufnahme bereit wieder zuhört.

00:44:55: Tschüss und Baba!

00:45:12: und der Chefredaktion auf ihren Social Media Kanälen.

00:45:16: Fragen, Anregungen und Beschwerden an.

00:45:18: Aufnahmebereit at wu.ac.at.

00:45:22: Alle Infos findet ihr auch in den Shownotes.

00:45:25: Bis zum nächsten Mal!

00:45:46: Podcastwerkstatt.

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