#85 Migrantisches Gold?! Zum Mismatch zwischen Migrationsbedarfen und Migrationsabwehr - Live-Mitschnitt der Keynote

Shownotes

Im Rahmen der Eröffnung des Forschungsinstituts für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM) spricht Migrationsforscherin Naika Foroutan, Direktorin des Deutschen Instituts für Migrations. und Integrationsforschung (DeZIM) und Professorin an der Humboldt Universität zu Berlin, über Widersprüche der migrationspolitischen Steuerung in Zeiten des demografischen Wandels - und über die Rolle der Migrationsforschung in polarisierten Zeiten.

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00:00:05: Herzlich willkommen bei Aufnahme Bereit, dem Podcast für Ankommende und Aufnehmende in der modernen Migrationsgesellschaft.

00:00:12: Sie hören diese Episode nicht nur auf den Podcast-Playern ihrer Wahl sondern auch auf Radio Orange – fourundneunzig Komma Null.

00:00:25: Diese Folge wird Ihnen präsentiert von Courage, Mut zur Menschlichkeit!

00:00:33: Mein Name ist Judy Kohlenberger und in der heutigen Folge bringen wir euch den Live-Mietsnitt einer Keynote von Nike Vorroutan die Direktorin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung kurz DIEZIM, und Professorin an der Humboldt Universität zu Berlin.

00:00:50: Also anders der Eröffnung unseres neuen Forschungsinstituts für Migrations- und Fluchtforschungen und Management kurz VORM an der WIO Wien haben wir sie nach Wien eingeladen wo sie zum Thema migrantisches Gold zur Missmatch zwischen Migrationsbedarfen und Migration abwehr in polarisierten Zeiten gesprochen hat.

00:01:09: Es ist, wie ich denke, ein sehr vielschichtiger fundierter Stellenweise überraschender Vortrag der die vielen Widersprüchlichkeiten der Europäischen, der Deutschen und in Ableitungen nach der österreichischen Migrationspolitik offenlegt.

00:01:23: Viel Spaß bei dieser Folge!

00:01:26: Ja, vielen herzlichen Dank für diese Einladung.

00:01:31: Als erstes an dieser Stelle Gratulation, euch gratulation dem Rektor und allen Bronze-, Silber- und Goldpartnerinnen dieses Institutes.

00:01:42: Das ist eine richtige Entscheidung in diesen Zeiten tatsächlich auf evidenzbasierte Forschung in der Migration zu setzen gerade weil wir alle wissen wie stark Migration von Erzählungen, Narrativen und Bauchgefühlen angetrieben wird.

00:02:02: Umso wichtiger ist es auch dafür zu sorgen, dass tatsächlich Zahlen zusammenkommen Kooperationen entstehen, Partnerschaften um mit Evidenz auch zur Versachlichung der Debatten beizutragen.

00:02:15: und das betrifft nicht nur Deutschland und Österreich sondern die Fragen sind global.

00:02:20: überall auf der Welt wo es Migration gibt gibt es auch Auseinandersetzungen mit Migration auseinandersetzung mit Flucht Und das ist auch tatsächlich gar nicht auf den europäischen Raum beschränkt.

00:02:32: Ich selbst bin von Geburt aus Iranerin, d.h.

00:02:36: Iran ist eines der Länder mit den meisten und höchsten Zahlen an Flucht- und Migrationen.

00:02:42: Dazu komme ich gleich nochmal.

00:02:43: Auch dort gibt es Auseinandersetzung, sprich es ist nicht nur etwas Europäisches sondern wie ich bereits gesagt habe etwas Globales.

00:02:51: Ich bräuchte ein Präsenter um hier weiterzugehen.

00:02:56: Vielen herzlichen Dank.

00:02:59: Ja, liebe Judith, du hast es schon gesagt wir sind sozusagen das Pendant zu diesem Institut auf deutscher Seite des Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung.

00:03:10: nächstes Jahr feiern wir zehnjähriges bestehen Und Wir haben tatsächlich begonnen mit einer universitären Einrichtung an der Hohenbold Universität und haben zunächst das Berliner Institute für Migrations Forschung gegründet.

00:03:25: Dann haben wir, mit einigen Kollegen und Kolleginnen festgestellt, dass die Anforderungen an die Migrationsforschung so hochgegangen sind.

00:03:35: Nicht nur von Seiten der Forschung sondern auch von Seiten des Politik- und Zivilgesellschafts.

00:03:46: Bürgermeistern und Bürgemeisterinnen eingeladen von Zivilgesellschaften, kleineren Gemeinden.

00:03:52: Willkommensinitiativen die alle plötzlich nicht wussten wie sie diese ganze Migration in so kurzer Zeit meistern sollten um wir waren gar nicht so viele.

00:04:02: Migrationsforschung war bis dahin in Deutschland eigentlich eher eine Nischenforschungen in den Sozialwissenschaften Und wir haben festgestellt Wir müssen dringend dort nachjustieren ausbilden.

00:04:16: Wir brauchen mehr Kolleginnen, wir haben an unterschiedlichen Stellen in Deutschland, an unterschiedliche Unis die Ausbildung verstärkt, die Lehre verstärgt und die Forschung verstärckt.

00:04:26: und das Deutsche Zentrum gegründet aus sieben unterschiedlichen Migrationsforschungsstandorten, die quasi gebündelt ihre Zahlen zusammengelegt haben.

00:04:38: Damit auch nicht mehr dieser Moment entsteht, dass aus unterschiedlichen Standorten unterschiedliche Zahlen unterschiedlich interpretiert werden weil wir festgestellt haben das das zu großer Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung geführt hat und es gut ist wenn man tatsächlich Gelderpult zusammen größere Datensätze erhebt, regional aussagefähig ist.

00:05:00: Und gerade bei uns in Deutschland wo Ost-Westfragen nochmal eine große Rolle spielen haben wir auch von Anfang an einen großen Fokus auf Ostwestvergleiche gelegt.

00:05:12: Zu meinem Vortrag heute, dieses Phänomen migrantisches Gold.

00:05:15: Das werde ich am Ende für Sie aufschlösseln.

00:05:18: was damit gemeint ist vielleicht ahnen sie das auch schon weil die Debatten die wir führen wie gesagt habe in ähnlicher Weise auch in anderen Ländern geführt werden.

00:05:28: Wir alle spüren dass es ein Miss-Match gibt zwischen Migrationsbedarfen Auf der einen Seite und Migrationsabwehr Und daher werde ich in drei Teilen versuchen durch diese Kino zu führen.

00:05:44: Ich werde einmal konkret auf Deutschland in Migrationszahlen eingehen, dann werde ich einen bisschen breiteren Bereich den Paradoxien widmen die wir gerade erkennen.

00:05:55: Ich glaube da ist noch jemand im Hintergrund zugeschaltet.

00:06:00: Also warte ich mal ein Moment vielleicht kommen die Leute ja noch dazu.

00:06:07: Und als Letztes werde ich auf Folgen und Konsequenzen eingehen.

00:06:11: Für Deutschland, ich weiß nicht wie sehr Sie alle hier mit den Debatten vertraut sind aber Deutschland ist ja lange Zeit ein Land gewesen das damit stark gehadert hat einen Einwanderungsland zu sein.

00:06:26: Es war tatsächlich ein langer Weg.

00:06:28: noch in den Achtziger Jahren hieß es wir sind kein Einwarnungsland und wir können es nach unserer Größe Und wir können es wegen unserer Dichtenbesiedelung nicht sein, so der damalige Außenminister Genscher.

00:06:44: Das klingt jetzt tatsächlich sehr empirisch und man ist geneigt dieser Aussage sofort Glaube zu schenken weil wenn man argumentiert mit Größe und Dichte dann hat das fast schon etwas Mathematisches.

00:06:55: an sich ist in dieser Aussage eben eine Evidenz vermeintlich platziert, von der wir wissen dass sie heute nicht gilt und wahrscheinlich damals auch nicht gegolten hat.

00:07:08: Aber auch noch weiter in den neunziger Jahren sagte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl ganz bestimmt Deutschland is kein Einwanderungsland und wird auch keines wem.

00:07:21: Zu dem Zeitpunkt war tatsächlich die Migration nach Deutschland schon mit mehr als siebzehn Millionen Menschen, die als Arbeitsmigrantin ins Land gekommen waren sehr hoch.

00:07:34: Und so entschied sich im Jahr zwei Tausend Eins Süßmut-Kommission, die Zuwanderungskommission die eben beschließen sollte ob Deutschland ein Einwanderungsland ist oder nicht.

00:07:46: Nachdem sie sich die Zahlen genauer angesehen hatte und die Generationenverläufe zu beschließen.

00:07:52: doch ja Deutschland ist nun de facto ein Einwernerungsland.

00:07:56: Als dieser Beschluss kam hatte sich in der Zahl der Migration nichts verändert.

00:08:03: Das bedeutet, wenn wir uns diese Fragen stellen geht es nicht immer um Zahlen.

00:08:08: Auch wenn wir nun alle sehr zahlengetriebene Institutur sind ob Deutschland ein Einwarnungsland ist oder nicht hat damals eine politische Kommission beschlossen ohne dass sich zwei tausend eins an den Zahlen etwas geändert hatte.

00:08:22: mit Bezug auf das Jahr zweitausend und auch ein Jahr später war es keine anderen Zahlmengen.

00:08:28: Es war also ein Narrativ Eine politische Setzung Und die wurde just direkt danach gekonnt hat von Frau Merkel, die damals antwortete okay.

00:08:39: Ich erkenne meine Parteikollegin Rita Süßmuth sagt Deutschland ist ein Einwanderungsland.

00:08:47: aber ich schränke das wieder ein und sage Deutschland ist kein klassisches Einwarnerungsland.

00:08:54: auch das mag vielleicht resonieren weil wenn ich jetzt in diesen Raum fragen würde was meint man wohl mit klassischen Anwanderungsländern dann sagen die meisten Menschen USA Kanada oder teilweise sagen sie UK, Australien.

00:09:09: Das ist aber letztlich auch nur eine Setzung weil je nachdem wo wir den Ankerpunkt Migration setzen könnten wir natürlich sagen Deutschland ist sehr wohl ein ganz klassisches Einwanderungsland denn Deutschland lag schon immer in der Mitte Kontinental Europas.

00:09:26: wer immer durch Deutschland wollte musste irgendwann Dieses Land eben durchqueren und solange es kein Flugzeug gab, musste man es eben zu Fuß oder mit Pferden oder anderen Methoden machen.

00:09:39: Und dementsprechend sind in diesen Zeiten sehr viele Menschen in Deutschland geblieben – Hunnen, Angeln, Sachsen vor allen Dingen Römer!

00:09:48: Die Hälfte Deutschlands ist tatsächlich ein Teil des römischen Reiches gewesen und wer sich mit Deutschland auskennt, weiß das Quer durch Deutschland der Limes geht.

00:10:00: Das ist sozusagen die Stadtmauer oder Landesmauer gewesen, die Rom von den Germanen getrennt hat Und alles was unterhalb des Limes lag war römisch Augsburg Köln Koblenz.

00:10:19: Alles das ist sehr römisch und wenn wir uns das anschauen, dann wissen wir auch dass in Bayern die Menschen sehr lange stolz waren auf ihre syrischen Bogenschützen und die waren auch schon weit früher da als zwei tausend eins.

00:10:34: Insofern ist die Erzählung ob das Land ein klassisches Anwanderungsland oder nicht tatsächlich selber einen Narrativ?

00:10:41: Wir könnten auch sagen es ist gar nicht so sehr Kanada England oder die USA, sondern das osmanische Reich war ein klassisches Einwanderungsland.

00:10:53: Das persische Reich viele Imperien waren klassische Einwarnerungsländer.

00:10:58: Das bedeutet nicht nur Zahlen, sondern tatsächlich auch Erzählungen und politische Entscheidungen treiben das an was wir heute unter Migrationen und Integration verstehen.

00:11:10: Das habe ich Ihnen auch noch mitgebracht.

00:11:13: Zwei tausendzehn, nachdem tatsächlich Deutschland schon zehn Jahre lang ein Einwanderungsland war.

00:11:19: laut Rita Süßmut Beschloss die damalige Kanzlerin Merkel das Multikulti für Tod erklärt werden sollte dass sie uns zu dem Zeitpunkt in dem Deutschland tatsächlich darüber stritt ob es nun eine postmigrantische Gesellschaft ist in der Es gar nicht mehr darum geht Deutschland ein Einwanderungsland ist, sondern wie in diesem Einwarnerungsland der Umgang mit neuen und alten Deutschen oder zwischen Neuen und Alten Deutschen ist.

00:11:48: Und wie gemeinsam diese plurale Realität gestaltet wird?

00:11:53: Jetzt stehen wir tatsächlich vor dem Moment dass Deutschland sich in den letzten zehn Jahren zu einem der dynamischsten Migrationsakteure der Welt entwickelt hat.

00:12:04: Deutschland steht in absoluten Zahlen direkt hinter den USA und zusammen mit Saudi-Arabien hat es die in absoluter Zahlen ungefähr dreizehn Millionen Menschen ohne deutschen Pass.

00:12:17: In relativem Zahlen oder proportional gesehen sieht das anders aus, proportional gesehen lasse ich Sie mal einen Moment nachdenken.

00:12:26: was glauben sie wohl?

00:12:27: welches ist das Land mit der höchsten Migrationsdichte?

00:12:34: Es sind die Vereinigten Arabischen Emirate mit achtundachtzig Prozent migrantischer Bevölkerung, achtundachzig Prozent.

00:12:42: Also insofern Deutschland ist da tatsächlich an zweiter Stelle aber nicht nur das.

00:12:48: Deutschland ist auch seit über zehn Jahren in den Top five derjenigen Länder, die Geflüchtete aufnehmen.

00:12:55: Über Deutschland steht aktuell nur noch Kolumbien und Deutschland auf einem gleichen Niveau wie die Türkei und sogar mittlerweile über Iran, was die Zahl der Aufnahme von Geflüchteten angeht.

00:13:07: Wir wissen knapp siebzig Prozent der Gefluchteten kommen aus fünf zentralen Ländern und vierunddreißig Prozent von ihnen sind eben in diesen fünf Ländern.

00:13:19: und Deutschland ist in diesen Fünf Ländern schon tatsächlich seit zehn Jahren da.

00:13:23: es finden Sie selbst in den Top Ten kein einziges Klassisches Einwahnungsland von dem, was sie denken.

00:13:30: Was klassisch ist.

00:13:31: also auch das ist spannend und es hat sich natürlich sehr stark auch verändert.

00:13:36: die Demografie durch diese Dynamik.

00:13:39: aber vorher hat es sich schon verändert.

00:13:40: Aber die Dynamik von fünfzehnsechzehn Und vor allen Dingen noch mal die Dynamika von zwanzig zweiundzwanzig nach dem Angriff Kriegsgroßstand auf die Ukraine Hat die Zahlen in Deutschland tatsächlich so derzeit gelagert dass über dreißig Prozent der Bevölkerung in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund haben und bei den unter zwanzigjährigen liegt die Zahl schon bei zweiundvierzig Prozent.

00:14:07: Es könnte sein, wenn die Zahlen so weitergehen, dass sich das in den nächsten zehn Jahren dazu führt, dass wir eine sogenannte Minority Majority Wende haben, dass mehr als die Hälfte oder die Mehrheit der jungen Menschen bereits Migrationsbiografien hat.

00:14:24: Besonders relevant für den politischen Raum sind wahrscheinlich die Wahlzahlen.

00:14:29: Thirteen Prozent der Wählerinnen hatten bei der letzten Bundestagswahl Migrationsbiografien und die Tendenz ist steigend, insofern verändern auch teilweise die etablierten Parteien ihre Positionen und ihren Zugang zu Wählern mit Migrationshintergrund weil es sich lohnt um diese Gruppe zu werben.

00:14:50: Ich werde jetzt nicht gemeinsam mehr stimmen, als die Sozialdemokratie aktuell in Deutschland hat.

00:14:57: Insofern lohnt es sich diese Gruppe gezielt anzusprechen.

00:15:02: Die Verteilung ist sehr ungleich das habe ich eben schon angedeutet.

00:15:06: zwischen Ost und West gibt es einen großen Unterschied während ein Drittel der westdeutschen Bevölkerung schon migrantisch ist.

00:15:14: In Ostdeutschland liegt es bei ungefähr elf Prozent, trotzdem werden sehr viele Migrationsdebatten aus Ostdeutland angetrieben vor allen Dingen die eher aversiven Migrations-Debatten.

00:15:27: Zu dem Paradoxien habe ich Ihnen gerade gezeigt Deutschland ist aktuell so migrationsplural wie nie zuvor und gleichzeitig steigen aber die Bedarfe nach Migration.

00:15:40: Die Migrationsbedarfe sind auch deswegen so hoch.

00:15:43: Das wurde hier eben schon angeschnitten, weil wir es genauso wie in Österreich, wie in Polen, wie Italien und Spanien und wie im Vereinigten Königsreich und anderen Ländern Europas sich aufzählen konnte mit einem starken demografischen Wandel und einer Überalterung der Gesellschaft zu tun haben.

00:16:02: für Deutschland besonders dramatisch ist das was ich in der Mitte abgebildet habe.

00:16:07: In den nächsten zehn Jahren werden circa fünfzig Prozent der Verwaltung und des öffentlichen Dienstes in Rente gehen.

00:16:16: Fünfzig Prozent, und das bei einem hoch administrierten Land wie Deutschland.

00:16:21: Wir haben kein Erdöl, wir haben keinen Erdgas oder auch nicht wirklich seltene Erden.

00:16:27: Das heißt, wir sind vor allen Dingen auf Information, Service und Produktion angewiesen.

00:16:35: Und das wird sehr stark bei uns reguliert und vor allen Dingen eben durch die Verwaltungsberufe.

00:16:40: Und genau das ist das was wir jetzt schon spüren dass es Engpässe gibt.

00:16:44: ich kann Ihnen ein Beispiel nennen bei uns an der Humboldt Universität.

00:16:47: Ich bin dort Professorin im Bereich Sozialwissenschaften.

00:16:51: Aktuell ist es so dass diejenigen die ihren Masterabschluss machen nur die Wage mit Teilung bekommen dass es bis zu sechs Monate dauern kann bis sie ihr Zeug bekommen, während die sich gleichzeitig bewerben müssen auf dem Arbeitsmarkt.

00:17:05: Weil es einfach innerhalb der Verwaltung einen unglaublichen Engpass gibt.

00:17:09: Ich könnte aber auch und dann komme ich gleich nochmal auf andere Engpassberufe zu sprechen kommen.

00:17:15: Das heißt diese Shortage von Skilled-Workers aber generell die Verknappung von Arbeitskräften betrifft tatsächlich wie ich eben gesagt habe nicht nur Deutschland sondern ganz Europa und darüber hinaus.

00:17:28: Ja, wir haben gerade aktuell Nachrichten das sich die Zahl der Engpassberufe rückläufig entwickelt.

00:17:35: Aber Sie können das dahinten wahrscheinlich nicht lesen.

00:17:38: Das Ganze entwickelt sich gerade nur deswegen rückläufig weil die Arbeitgeber und Geberinnen von den Zuwanderungszahlen des letzten Jahrzehnts profitieren können.

00:17:51: vor allen Dingen aus Drittstaaten werden diese Zahlen gefüllt.

00:17:56: bei denen Top Ten der Expertinnenengpassberufen ist es noch höher.

00:18:00: Da haben wir gerade aktuell eine Studie im Dezium, die vorgestern rausgekommen und die kann ich auch gerne in Kooperation direkt zusenden.

00:18:08: da geht's tatsächlich darum wie sehr Expertinnenberufe grade in Ostdeutschland die Mehrheit stellen.

00:18:14: nämlich diejenigen die diese Expertinnen berufe ausführen sind fast ausschließlich zu sechzig-siebzig Prozent Menschen ohne deutschen Pass.

00:18:23: Das ist eine Studie von der Bundesagentur für Arbeit vom Kollegen Terzenbach, die schon festhält, dass seit dem Jahr zwanzig dreiundzwanzig das Wachstum in Deutschland ausschließlich von Ausländern getragen wird.

00:18:39: Also gar nicht Menschen mit Migrationshintergrund zweiter oder dritte Generationen sondern Hands-on Ausländer und Ausländerinnen.

00:18:47: Und das ist nochmal nach Drittstaaten Ukraine usw.

00:18:51: aufgeschlüsselt.

00:18:52: Das können Sie auf der rechten Seite sehen, das liegt natürlich daran dass wir ab drei zwanzig im Niveau des demografischen Wandels zugekippt sind, dass mehr und mehr Arbeitnehmerinnen mit rein deutschem Pass in die Rente gehen während die Stellen aufgeführt werden von Ausländern und Ausländerinnen.

00:19:11: Das ist die Studie, von der ich gerade berichtet habe.

00:19:13: Sie ist jetzt gestern erschienen das eben der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörige in allen Top-Sieben Wirtschaftszweigen ansteigend ist teilweise bei fünfzig Prozent liegt obwohl der Durchschnitt der Bevölkerung weit unter dem liegt nämlich Ich habe Ihnen gesagt, dreizehn Millionen haben wir Menschen ohne deutschen Pass.

00:19:37: Fünfundzwanzig Millionen mit Migrationsgeschichte insgesamt und was hier vielleicht auch noch wichtig ist die Berufe mitzunehmen in den Mangelberufen sind nämlich auch berufe drin, die man vielleicht gar nicht so offen Schirm hat.

00:19:52: sie können das vielleicht sehen.

00:19:54: an erster Stelle Metallberufe Schweiß- und Verbindungstechnik.

00:20:00: Über sechzig Prozent sind dort schon die Anteile derjenigen, der beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte.

00:20:09: Hier geht es jetzt nicht nur um Menschen ohne Deutschen passen.

00:20:13: Wenn ich Ihnen dazu auch noch sage dass wir in Deutschland sechzehntausend marode Brücken haben, die quasi vom Infrastrukturpaket aufgefangen werden müssen dann können Sie sich vorstellen das selbst diese Zahl der Schweißer und Schweißerin nicht ausreichen wird.

00:20:29: Und ja, bei den Expertinnenberufen wo es um die Segmenten Steuerberatung oder Rechtsberatungen usw.

00:20:36: geht können oder selbst in der Verwaltung können wir uns vorstellen dass die KI das auffangen wird.

00:20:43: aber Brücken zu reparieren Das wird wahrscheinlich immer noch einen menschlichen Workload brauchen.

00:20:49: und da ist es so, dass wir dort sowohl Fachkräfte brauchen als auch Arbeitskräfte.

00:20:54: also Die ganze Debatte um Fachkräfte, Fachkräftemangel fängt die aktuelle Situation nicht auf.

00:21:01: Wir haben nämlich auch wie es hier steht ein Großteil der Köche und Köchenen in diesem ganzen Sektor Migrationshintergrund und jede Menge Gastronomie Schließung.

00:21:11: also Es ist in der Tat so dass wir dort Leute haben die als Fachkräften kommen Quereinsteigerinnen kommen Leute kommen im Gerüstbau anfangen einfach nur quasi was heißt nur ihre Arbeit und ihren Körper zur Verfügung stellen.

00:21:28: Und seit Jahren ist die Debatte um Fachkräfte ein bisschen zu eng geführt worden, das merken wir aktuell vor allen Dingen in der Anwerbung.

00:21:38: Zusätzlich zu dem Disaster, was ich gerade gezeichnet habe kommt noch dazu dass wir seit Jahren einen Lehrkräftemangel haben.

00:21:46: Das sind die Prognosen bis zu zweizig fünfdreißig auch wenn wir eine sinkende Fertilitätsquote haben und sich das ab zwanzig fünfdreißig etwas stabilisieren könnte.

00:21:56: Sind nur mal bis dahin noch zehn Jahre wenn sie wollen fast eine ganze Kohorte auszubildende Schülerinnen.

00:22:02: Und wir stellen fest, dass in Deutschland immer mehr Lehrkräfte einfach ohne Ausbildung quer einsteigen.

00:22:08: Dass wir feststellen das Bildungsniveau kontinuierlich sinkt vor allen Dingen auch im Bereich Big Data Technologie KI.

00:22:17: Wie das aufzufangen sein könnte da gibt es noch keinen wirklichen Plan.

00:22:23: Und wie ich eben gesagt habe, es sind nicht nur Fachkräfte sondern auch Arbeitskräfte.

00:22:27: Nicht nur Wests, sondern auch Ostdeutschland.

00:22:29: Allein in Thüringen sind siebzig Prozent der Hotel- und Gastronomieort Azubis Migranten.

00:22:36: Und trotzdem haben wir's auch in Mecklenburg vor.

00:22:39: Paramann aus Deutschland gerade seit geraumer Zeit mit einem Restaurant Gastronomie sterben zu tun weil eben keine Kälnerinnen gefunden werden, keine Köchen gefunden werden was Städten betreiben möchte, wenn die Betreiberin in Rente geht.

00:22:56: Ich glaube, das lasse ich.

00:22:57: Sie haben, glaube ich, das Gefühl bekommen für das was ich sage und wahrscheinlich ist es in Österreich genauso.

00:23:04: Es ist aber dann tatsächlich so dass die Zahlen so handfest sind, dass wir im Moment mit einer sehr spannenden Situation konfrontiert sind.

00:23:13: jahrelang wurde gesagt diese ganze Migrationsbefürwaltung ist einfach nur humanitätsgetrieben grünversiffter Diskurs.

00:23:23: Wir sind tatsächlich damit konfrontiert, dass sehr viele Leute aus der Wirtschaft eben aktuell warnen und waren und waren besonders in Ostdeutschland aber auch Leute aus Parteien die vorher gar nicht so migrationsfreundlich waren.

00:23:44: Es ist egal, dass es ein absoluter Konsens wenn sie bei der Bundesagentur für Arbeitstagung sind und dort sitzen Staatssekretäre aus CDU und überlegen mit allen anderen konstruktiv wie man tatsächlich diesen Fach- und Arbeitskräftemangel beheben kann.

00:24:00: Dann widerspricht das natürlich ganz stark den politischen Diskurs, den die Leute aus der Partei auch dann nach außen führen.

00:24:08: Ich hatte vor einem Monat einen Treffen mit dem Migrationsminister der Schweiz, die heißen nicht Minister sondern ich glaube sie heißen auch Senatoren oder Sekretäre und da war genau die gleiche Debatte.

00:24:24: Es wurde eben ja schon erwähnt dass die Schweiz abstimmen wird über eine bestimmte Grenze Obergrenze für Migration.

00:24:33: aber die Debatte dort war genau das.

00:24:36: dieser Sekretär oder Minister sagte Ja wir haben die gleichen Zahlen Das ist ein absolutes Tabu-Thema.

00:24:45: Und für mich war das sehr spannend, weil früher war ein Tabu Thema als Tabuthema gezeigt und man kann ja nicht mehr sagen dass Migration eine Belastung ist und jetzt ist plötzlich ein Tabuthema, dass sich die Minister und die zuständigen Personen Trauern nach außen zu gehen und zu sagen, ohne Migration schafft sich Deutschland ab.

00:25:04: Weil wenn sie das tun, dann verlieren Sie Ihre Wahlklinik.

00:25:07: Das sagen Sie auch offen?

00:25:08: Das sagen sie auch ganz offen!

00:25:10: Und ich finde es auch eine große Schwierigkeit.

00:25:12: Es ist überhaupt kein Blaming, sondern ich finde – das ist schon Forschungsthema -, dass wir uns überlegen müssen, diejenigen, die wiedergewählt werden möchten und sowieso permanent angegriffen werden, werden auf bestimmten Schienen besonders stark angegriffene Themen wie Klima-, Migration ... Heizungsgesetz.

00:25:30: Also Sie wissen, die Range ist breit und deswegen ist eigentlich so ja die Taktik rauszugehen und möglichst bei den Wählerinnen erstmal dem Ballflach zu halten auf der Fachebene aber... die Politik dementsprechend doch konstruktiv zu machen, kann dann aber dazu führen dass dann irgendwelche Seiten den oder die Politikerinnen entlarven und sagen hier sagt er das.

00:25:55: Und dort macht er jenes.

00:25:56: also ich finde es ist durchaus ein spannendes Thema.

00:25:59: wir untersuchen gerade bei uns ob der Fach- und Arbeitskräftemangel einen Blickwechsel auf die Migrationspolitik ermöglicht.

00:26:07: Ich habe ihn gerade gesagt vonseiten der politischen Entscheidungsträger und Trägern Sehen wir das bereits, aber... Wir haben schon zu Zeiten von Corona eine solche Vermutung gehabt.

00:26:19: Da haben wir eine Studie gemacht in der wir zeigen wollten wie Menschen mit Migrationshintergrund in systemrelevanten Berufen vertreten sind und auch dort waren sie teilweise zentral überrepräsentiert nicht nur in den Reinigungsberufen sondern auch Altenpflege Post und Zustellung, das ist wahrscheinlich Ihnen allen am meisten vor Augen.

00:26:42: Während wir alle im Lockdown saßen und Pizzadienste bis Amazon an unsere Türen geklingelt haben, haben wir natürlich die Erfahrung gemacht dass die kamen, um uns zu beliefern überproportional Migrantenschwagung.

00:26:56: und eben auch die Ärzte und Ärztinnen in der Human- und Zahnmedizin aber auch die, die in den öffentlichen Verkehrsdiensten gearbeitet haben.

00:27:05: Also der Sektor, der quasi das System noch aufrecht erhalten hat und diese Studie haben wir basierend auf Zahlen von.

00:27:19: Sie wissen alle selber, dieser ganze Utilitarismus-Diskurs hat nicht dazu geführt dass die Stimmung gegenüber Migration in Deutschland besser geworden ist.

00:27:29: Dazu werde ich Ihnen gleich auch noch mehr zeigen.

00:27:31: das ist nämlich die zweite Paradoxie Die Migrationszahlen sinken die Beschäftigten mit in den Sektoren auch in den systemrelevanten Sektionen mit Migrationshintergrund steigen.

00:27:45: Das heißt eigentlich wäre das doch ein Match, dass die Bevölkerung ein bisschen in ihrer Migrationsaversion vielleicht drosseln könnte.

00:27:56: Zu den sinkenden Zahlen wir sind im letzten Jahr bei Zahlen-Migrationszahlen gewesen, die so hoch waren wie das letzte Mal im Lockdown, so radikal es sind die Zahlen in Deutschland besunken.

00:28:11: Wir hatten schon zwanzig-vierundzwanzig eine Reduktion um vierunddreißig Prozent.

00:28:16: Wir haben eine Redaktion der Asylzahlen, zwanzivzwanziger und über fünfzig Prozent.

00:28:23: Und wir sind im Ranking der EU mittlerweile unter Zypern Griechenland, Island, Irland, Spanien und Belgien was die Asyl Zahlen angeht.

00:28:33: Und gleichzeitig sagen uns die ganzen Demografen dass selbst wenn die Migration so steigen würde, wie in den letzten Jahren war im letzten Jahrzehnt.

00:28:44: Selbst dann würde die erwerbsfähige Bevölkerung sinken.

00:28:48: das heißt wir haben alle diese Zahlen und trotzdem steigt die AfD Und ist aktuell die stärkste Partei in Deutschland.

00:28:59: Das heisst die Migrationszahlen sind nicht wirklich effektvoll in der Kommunikation, um die AfD zu stoppen.

00:29:07: Der Utilitarismus seht her – die Migranten arbeiten doch ist auch nicht wirklich erfolgreich!

00:29:14: Ich kann Ihnen auch die Antwort nicht geben.

00:29:15: vielleicht können Sie das hier nachher auf den Panel diskutieren was da eine erfolgreiche Strategie wäre.

00:29:20: ich gebe Ihnen dazu jetzt erst mal nur die Befunde.

00:29:24: Was hat das für Folgen und Konsequenzen?

00:29:30: Wir wissen, dass in der Migrationsforschung nicht nur da, wenn über Migration gesprochen wird.

00:29:38: Vor allen Dingen aus drei Bereichen über Migrazion verhandelt wird.

00:29:43: Wie kann man mit den Drei C zusammenfassen?

00:29:46: Control, Compassion und Contribution.

00:29:48: also entweder das wissen sie was die Debatte der letzten Jahre, über Begrenzung, Kontrolle, Grenzschließungen, Tracking usw.

00:30:00: Ausweisung, Rückführungs- und Immigration geht alles auf das Kontrollsegment.

00:30:05: Das Kompassionssegment kommt ganz stark aus dem menschenrechtlichen Diskurs Und es ist oft in Konfrontation zu dem Kontrollargument.

00:30:15: Dort geht es vor allen Dingen darüber eben wie das Asylrecht zu gestalten ist, welches Recht geflüchtete auf ein autonomes selbstbestimmtes Leben haben und so weiter.

00:30:27: Und das Kontributionsargument, das ist das was ich eben die ganze Zeit geliefert habe nämlich es gibt den Arbeitsmarkt der Arbeitsmark braucht die Migration Und ich bin selbstverständlich, weil wir arbeiten in sehr vielen Segmenten mit Kollegen und Kolleginnen zusammen die sehr kritisch sind gegenüber diesem Utilitarismus Argument.

00:30:47: Deswegen möchte ich dazu auch Stellung nehmen.

00:30:49: es gibt dann Argumente dass das so etwas wie Nützlichkeitsrassismus ist und dass Personen mit Migrationshintergrund nicht nur als Arbeitskräfte gesehen werden wollen.

00:31:01: Das ist tatsächlich auch mit zu bedenken.

00:31:04: aber für alle Psychologinnen oder Sozialpsychologen sind, sie wissen wenn man Menschen fragt danach was für Sie als eines der relevantesten Faktoren gilt um sich selbst im Leben wertzuschätzen dann antworten sie fast immer gebraucht zu werden.

00:31:23: Und gebraucht zu werden ist natürlich etwas, man kann auch gebraucht werden als Eltern oder als Freundin.

00:31:30: Oder man kann also gebrauchen werden als Zuhörende.

00:31:33: Das Gebrauchtwerden ist sehr breit aber das korreliert tatsächlich sehr oft mit Arbeit.

00:31:38: Also Menschen die eine Arbeit haben beschreiben höhere Selbstzufriedenheit und stärker das Gefühl quasi beitragen zu können und gebrauche zu werden.

00:31:48: deswegen bin ich gegenüber diesem Argument dass es zu utilitaristisch ist selbst bisschen ambivalent.

00:31:56: Das was ich aber noch sagen möchte ist, dass wir gerade aktuell und wir sprachen eben darüber eine neue Erzählung reinbekommen auf die wir uns alle noch gar nicht so richtig vorbereitet haben nämlich Competition.

00:32:13: Nämlich die Frage Was passiert?

00:32:16: Und da hat eben die Wissenschaftsministerin, das habe ich mir mal aufgeschrieben gesagt, Flucht und Migration sind eine dauerhafte Realität.

00:32:26: Sind wir uns da so sicher dass das eine dauherhafte realität für unsere Volkswirtschaften sein wird?

00:32:33: Ich zeige Ihnen das mal so vielleicht dich nochmal einmal zurück.

00:32:39: Und falls Sie das jetzt noch nicht gelesen haben, denken Sie mal kurz drüber nach.

00:32:43: Es wurde eben auch schon gesagt, aktuell sind so viele Menschen auf der Flucht oder Migrieren wie nie zuvor in der Geschichte der Messungen.

00:32:55: Dassen Sie das mal kurz.

00:32:57: sacken und überlegen sie für sich, wie viel Prozent der Weltbevölkerung das ausmacht?

00:33:03: Falls Sie es schon gesehen haben, sage ich es Ihnen unter vier Prozent!

00:33:09: Das heißt, wenn ich Ihnen sage das sind die stärksten Zahlen so stimmt das.

00:33:13: Es sind dreihundert sechs Millionen Menschen davon von fünfunddreißig Millionen Geflüchtete und acht Millionen Asylberechtigten.

00:33:22: aber der und der Rest sind eben Menschen die anders migrieren.

00:33:26: tatsächlich ist es aber so dass Sechsundneinzig Prozent der Weltbeführung dort lebt und stirbt wo sie auch geworden sind.

00:33:34: Migrationen und Migrantinnen sind also ein eine hochselektive Gruppe.

00:33:41: Und diese hochselekte Gruppe ist durchaus autonom, nicht wenn es um Flucht geht und um Forced Migration aber wenn es Um migrationsentscheidungen geht die selbstbestimmt sind dann ja!

00:33:54: Und aktuell erleben wir das neben den europäischen Ländern die mit dem gleichen volkswirtschaftlichen und demografischen Problemen zu tun haben wie Deutschland und Österreich, dass neben diesen Ländern plötzlich zwei Riesen erwachen Nämlich Japan und Südkorea.

00:34:10: Japan und südkorean hatten bis vor kurzem eine Zero Migration Policy, bzw.

00:34:19: natürlich hatten sie Migrationen bis zu einem bisschen deren Claim.

00:34:23: Und Süd Korea hat aktuell eine Fertilitätsquote von zero.

00:34:28: Komma acht.

00:34:29: Sie brauchen zwei Komma null um eine Gesellschaft stabil zu halten.

00:34:34: Null Komma Acht ist also nicht mehr aufzufangen und jetzt steigt eine Volkswirtschaft, die durchaus sehr ähnlich ist in europäischen Industrienationen plötzlich in die Migrationsanwerbung ein genauso wie Japan Und nicht nur die.

00:34:49: bis vor dem Iran Krieg waren dann die Emirate und Qatar und Saudi Arabien Die größten Anwerbungshaber die aktuell vor allen Dingen aus Middle East Fachkräfte für sich angeworben haben, aber nicht nur Fachkräften sondern eben auch An-Skilled-Workers für ihre Bauprojekte usw.

00:35:10: Ich gebe Ihnen mal kurz ein Beispiel noch einmal zu mitdenken.

00:35:13: Deutschland hat eine Fachkräfteeanwerbestrategie und verhandelt aktuell mit zehn Ländern Migrationsabkommen.

00:35:20: Eines dieser Länder wo die Fachkräfteranwerbstrategien ganz besonders stark hingeht ist Indien.

00:35:26: Deutschland ist also sehr darum bemüht, Menschen aus Indien quasi mit ganz vielen Triple-Win-Programmen und so weiter nach Deutschland zu holen.

00:35:34: Es ist auch eine dynamische Migration.

00:35:36: die Zahl ist innerhalb kurzer Zeit jetzt bei dreihunderttausend angekommen.

00:35:42: Deutschland hat über achtzig Millionen Einwohner Saudi Arabien hat ungefähr vierzig Millionen einwohner und drei Komma fünf Millionen indische Arbeitskräfte.

00:35:52: das heißt wir können einfach nur sagen We are late to the party.

00:35:57: Also die indische Migration in die Emirate nach Saudi-Arabien ist so etabliert über Netzwerke, dass wir schon sehr stark werben müssen.

00:36:06: und warum sollten die Leute kommen?

00:36:08: Wetter schlecht, Sprache schwer, Löhne schlechter.

00:36:14: Die kommen natürlich... weil Deutschland eine Demokratie ist und Saudi-Arabien nicht.

00:36:20: Weil es nur mal in den Vereinigten Arabischen Emiraten so ist, dass man niemals die Staatsangehörigkeit bekommt.

00:36:26: Dass man, je nachdem welchem Sektor man arbeitet, nicht einmal schwanger werden darf!

00:36:32: Dass man überhaupt keine Rechte hat, wenn man dort im Kehrsektor seinen Pass abgenommen bekommt.

00:36:37: Sobald man die Arbeit verliert, muss das Land verlassen.

00:36:40: Das jederzeit die Unsicherheiten bestehen Und wie wir ja sehen gehen da trotzdem Leute hin.

00:36:47: Und die Frage an uns alle in diesem Raum ist, wenn unser Standortfaktor ist und wir fragen die Leute was findet ihr denn?

00:36:56: Warum kommen sie nach Deutschland?

00:36:57: Dann ist es ganz viel Sicherheit.

00:37:01: Dann ist das ganz viel Gesundheit kostenlose Gesundheit, kostenlosen Schulen und Demokratie.

00:37:08: Wenn wir gerade an diesen Sektoren plötzlich sparen Warum sollten wir den Wettbewerb dann gewinnen gegenüber den anderen Ländern, die gerade massiv werben?

00:37:18: Das denke ich dass wir dann eben gar nicht mehr so stark diesen Menschenrechtsdiskurs da reinbringen.

00:37:23: Der ist relevant wichtig und wir brauchen ihn.

00:37:25: der steht akut unter Druck.

00:37:28: das liegt eben daran dass er nicht eingebracht wird weil die Leute denken der utilitaristische Diskurs reicht Der reicht aber nicht.

00:37:34: Deswegen stimme ich absolut zu, dass der Menschenrechtsdiskurs derjenige ist, der am Ende des Tages den Wertbewerbsvorteil ausmachen wird und der ist dann gleichzeitig jetzt von mir utilitalistisch geframed.

00:37:48: Also selbst der Menschenrechtskurs ist einer, den wir dringend brauchen.

00:37:52: Und damit komme ich jetzt zum Abschluss um nochmal zu zeigen wie ernsthaft es das ist.

00:38:00: also neben denen dem kompetitiven Faktor, dass die anderen Länder nicht geschlafen haben im letzten Jahrzehnt sondern sehr stark im Moment einsteigen.

00:38:11: Haben wir auch noch den Sektor das die Auswanderung steigt und Deutschland in den Beliebtheits-Rankings immer weiter nach unten sinkt?

00:38:19: Ich habe jetzt mal hier einen jährlich erscheinenden Expat Insider Setting, das ist nicht mit sehr vielen befragten aber trotzdem ist es immer ein bisschen eine Trendanalyse.

00:38:30: Da kann man sehen in diesem Ranking steht Deutschland auf Platz forty-two von sechsundvierzig und wenn es um Expert Essentials geht steht Deutschland auf Platz sixundvierzig von sechsundviertzig.

00:38:43: Also die Attraktivität ist tatsächlich nicht hoch und das ist natürlich zum Beispiel solche Sachen wie Language, da steht Deutschland auch auf Platz fünfundvierzig.

00:38:52: aber Digital Life ist auch wirklich finde ich sehr peinlich dort an letzter Stelle zu stehen.

00:38:58: also da es noch viel zu tun und zu diesem perfekten Sturm nicht besonders attraktiv, Anwerbung von außen steigt.

00:39:08: Sehen wir auch noch das eine Studie vom Dezember vom letzten Jahr dass die Auswanderungsabsichten nach oben gehen und jede fünfte Person in Deutschland ist denkbar findet auszuwandern allgemein.

00:39:21: wenn wir aber dann in migrantische Personen reinzoomen dann steigen die Zahlen nochmal drastischer.

00:39:27: für die Türkei oder mit den East-Nordafrika-Regionen liegt die Zahl schon bei fast vierzig Prozent.

00:39:34: Und das sind übrigens auch die Standardarbeitnehmer und Neberinnen, und auch die in den letzten Jahren in den Sektoren Pharmazieh und Verwaltung sehr stark zusätzlich in den Arbeitsmarkt gekommen sind.

00:39:47: Das Wichtige und Spannende ist da werden nicht nur Diskriminierung genannt sondern an erster Stelle höhere Lebensqualität, die sich die Menschen wünschen.

00:39:55: Das heißt das Gefühl dass es in Deutschland bergab geht ist tatsächlich aktuell auch bei den migrantischen Bevölkerungsgruppen angekommen und für die wiederum sind diejenigen die am schnellsten wiederum auch die Möglichkeit haben könnten woanders hinzugehen weil sie möglicherweise wo anders noch Wuts haben.

00:40:16: okay was braucht es ein Ausblick?

00:40:19: Ich habe vor einiger Zeit mit zwei Kollegen und Kolleginnen aus Kanada einen Text dazu geschrieben, dass Deutschland dringend eine koordinierte Migrationspolitik braucht.

00:40:31: Planbarkeit, Antizipierbarkeitssteuerung und mit sozialer Verantwortung.

00:40:37: Das nämlich das was ich eben schon angedeutet habe, dass was Deutschland zuverlässig reliabel sicher macht ist tatsächlich auch das Versprechen, dass die Menschen nicht die Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt werden wie jetzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien als Beispiel.

00:40:57: aber Wir machen auch den Rassismus-Monitor für die Bundesregierung.

00:41:00: Wir erheben dort die Daten und wissen, wenn man dort fragt, dass eben sehr viele migrantische Personen sich selbst als Bürgerinnen zweiter Klasse fühlen aber interessanterweise auch ostdeutsche Personen – auch das haben wir erhoben!

00:41:14: Das heißt, das Versprechen der Gleichheit ist tatsächlich nicht etwas was Deutschland im Moment akut besonders gut.

00:41:22: Einlöst und gleichzeitig ist das Versprechen der Gleichheit in der Verfassung gegeben.

00:41:28: Niemand darf wegen seines Geschlechts seiner Abstammung, seiner Rasselsprache

00:41:32: etc.,

00:41:33: so steht es da noch drin benachteiligt werden.

00:41:36: Es ist also ein Versprechen dass schon sehr früh gegeben wurde lange bevor wir überhaupt darüber gestritten haben ob Deutschland ein Einwärmungsland ist oder nicht Und Wir Wissen Das wird tatsächlich diese Debatte seit Langem führen, ob Deutschland in Multikulti tot ist.

00:41:55: Kein Einwanderungsland wird und auch gar aufgrund der Dichte usw.

00:41:59: Dazu hat sich jetzt in den letzten Jahren noch eine Stadtbilddebatte hin zugesellt von der wir denken dass die nicht produktiv ist für das Land.

00:42:09: Ich denke, es wäre vielleicht sinnvoller und vielleicht können wir das auch sogar mit Österreich gemeinsam machen über eine Leitbilddebatte nachzudenken statt über Leitkultur- und Stadtbild zu sprechen.

00:42:22: Und da bringe ich Ihnen als Idee für ein Leitbild die tatsächlich sehr alt ist nämlich Im ersten Gründungsmoment Deutschland bereits bestand.

00:42:37: Die Frage danach, wer eigentlich deutscher ist und wer zugehörig wurde, hat sich schon gestellt.

00:42:44: Und es gibt ein Zitat von Nietzsche, der sagt darüber nachzudenken, wer oder was Deutsch ist bestimmt das Wesen der Deutschen.

00:42:54: Und tatsächlich ist es so, wahrscheinlich auch der ist, aber ich erinnere mich weiß es nicht.

00:43:00: Aber als Deutschland entstand aus neununddreißig Fürstentümern waren diese Fürsttümer multireligiös.

00:43:08: Sie waren katholisch, evangelisch, kalvinistisch, methodisch, hugenortisch und jüdisch.

00:43:13: Die Sprachen Deutschlands waren russisch-polnisch, sorgisch, französisch und deutsch und dänisch.

00:43:20: also das Land war multisprachlich multi-religiös und natürlich war es multikulturell, denn ein Bayer hat sich mit Nichten, mit einem Preußen kulturell gleichgeführt.

00:43:30: Und auch gar nicht mit einem Pommann und einen Franke noch dazwischen.

00:43:35: also sie können sich vorstellen die Menschen kamen zusammen um ein Land zu formen sprachen unterschiedlich arsen unterschiedlich dachten unterschiedlich und hatten sich auch noch dreißig jahrelang abgemetzelt im dreißigjährigen Krieg.

00:43:49: und insofern ist da ein Projekt erzählerisch gelungen, an das sie durchaus anknüpfen können wenn wir über Deutschland nachdenken.

00:43:59: So ich habe immer noch weiter Folien nicht sehe aber ich muss jetzt mal zum Ende kommen Hier noch mal ein Zitat von Hannah Arendt einbringen zu den Versprechen, nämlich das Versprechen der Gleichheit.

00:44:14: Hannah Areand hat gesagt und ich zitiere Und wenn die Menschen nicht mehr an Versprechen glauben und nicht mehr glauben, dass demokratische Systeme in der Lage sind, Versprechen an ihre Bürgerinnen einzuhalten.

00:44:46: Dann können wir sehen, dass das Vertrauen in die Demokratie sinkt!

00:44:50: Die Zahlen, die wir haben gelten für alle Institutionen.

00:44:54: Die haben wir erhoben und vor allen Dingen haben wir sie noch mal korreliert mit Diskriminierungserfahrung.

00:45:00: Dort wo es Diskriminierungserfahrungen gibt, sinkt das Vertrauen nochmal überproportional.

00:45:07: So jetzt habe ich eine abschließende Folie zur Rolle der Migrationsforschung und hab' das ja auch schon so eingeleitet.

00:45:15: Sie haben gesehen Wir haben sehr viele Zahlen.

00:45:17: Die Bundesagentur für Arbeit hat sehr viele Zahlen.

00:45:20: Die unterschiedlichen Migrationsforschungsinstitute, die Universitäten und so weiter und sofort.

00:45:25: aber mir fällt das auch sehr schwer als empirisch Forschende zuzugeben dass mit diesen Zahlen offensichtlich kein Durchkommen ist.

00:45:36: Die Zahlen sind auch nicht so, dass wir sagen könnten sie seien wahnsinnig kompliziert.

00:45:41: Sie können einfach WWWD-Statis angeben dann sind sie beim Statistischen Bundesamt und haben ganz leicht aufbereitete Zahlen und Grafiken.

00:45:49: es ist also gar nicht so sehr ein Kommunikationsfehler der Zahlen sondern das Narrativ der Abwehr sticht die Empirie der Zahlen.

00:46:00: Und selbst, wenn wir an den Punkt angekommen sind zu sagen und das hören wir viel aus Deutschland.

00:46:06: Dass dort die Wirtschaftsunternehmen sagen Wir kommen und erklären und haben die Zahlen und sagen Wenn es keine Migration gibt wird dass und das Dorf in fünfzehn Jahren leer sein folgende Schwimmbäder geschlossen Krankenhäuser geschlossen und so weiter.

00:46:20: und Die Antwort ist dann Ist mir egal ich will trotzdem keine Migratie lieber sterbig als Migranten zuzulassen.

00:46:28: Das ist jetzt nicht erfunden, das ist wirklich ein Zitat.

00:46:31: Insofern müssen wir uns überlegen dass wir es nicht immer weiter in eine Polarisierung treiben und deswegen finde ich tatsächlich die Ausrichtung des Forms so relevant, dass dort auch über Management nachgedacht wird.

00:46:44: und zu diesem Management gehört auch so etwas wie Frustrationsmanagement Gefühlsmanagement, dazu gehört kommunales Management.

00:46:53: Dazu gehört wahrscheinlich mediatives Management.

00:46:57: sehr viele Punkte und ich habe hier nur diese drei die lese ich jetzt gar nicht mehr ganz vor sondern glaube die Migrationsforschung kann dazu beitragen die Ambivalenzen zu reduzieren indem sie eben Zahlen bringt.

00:47:11: Und für alle die, die dazwischen sind und nicht wissen jetzt höre ich das und dass und das als Bauchgefühl und jenes und jene von der anderen Seite dann gucke ich mir doch mal die Zahlen an zu welchem Trend neigen die eher?

00:47:24: Dann ist es wichtig, dass die Migrationsforschung Reaktionen stetig erhebt kommunal und zwar berufsgetrieben.

00:47:33: Und wir müssen sehr viel schneller sein in der Erhebung von, und das können wir auch qualitativ machen.

00:47:39: Dafür müssen wir nicht die ganzen teuren Survey-Daten haben.

00:47:42: Die sind sehr gut weil sie repräsentativ sind aber wie gesagt bei Funding nimmt überall ab.

00:47:47: Aber wir können auch in Fokusgruppen schon mal Trends erforschen.

00:47:52: Wir müssen als Migrationsforscherin stärker in die Moderation – wie es hier auch schon gesagt ist zwischen politischem Raum Wissenschaft Zivilgesellschaft und Verwaltung.

00:48:01: Und dann lasse ich es dabei, weil das ist aktuell die Stimmung hinter meinem Haus.

00:48:07: Ich wohne am Mauerpark und das sind die Jungs in deren Gesicht man schon sieht dass das Vertrauen und die Bereitschaft angenommen haben noch zu glauben, dass sich in Deutschland in den nächsten Jahren was ändern wird.

00:48:20: Und auch das können wir uns nicht leisten.

00:48:22: Ich persönlich habe drei Söhne und insofern kann mit diesem Gefühl, was bei mir zu Hause aufkommt.

00:48:28: Nicht mehr alles mit Zahlen erfangen und ich sage Ihnen vielleicht irgendwann mal in Ruhe die emotionalen gefühlsbasierten Zugänge, die das hat.

00:48:36: Vielleicht wird ja auch darüber nachher gesprochen oder später bei der Party.

00:48:40: Vielen Dank fürs Zusehen!

00:48:50: Vielen herzlichen Dank für diesen, ich möchte sagen Rundumschlag den du uns da präsentiert hast im allerpositivsten Sinne.

00:48:56: Ich darf dir berichten der österreichische Wirtschaftsminister hat dir zugehört er war nämlich zufällig in der Gegend und habe gehört da findet eine wichtige Veranstaltung statt wollte aber den internationalen Stargast bei der Kino nicht stören.

00:49:09: deshalb haben wir seine begrüßungsworte für unsere Social Media Kanäle festgehalten.

00:49:14: bitte mache ich gleich Werbung.

00:49:15: folgen sie uns auf link denen Instagram.

00:49:18: Ich hoffe doch, dass das eine oder andere was du skizziert hast auch bei ihm hängen geblieben ist.

00:49:23: Weil es natürlich auch und das fand ich jetzt sehr schön, dass du zum Schluss die Rolle der Migrationsforschung erwähnt hast.

00:49:29: Es bedarf natürlich neben der Forschung auch jene, die diese Forschung hören wollen, hören können Und in die Umsetzung gehen können.

00:49:37: Wir müssen wahrscheinlich als Forschende auch irgendwann eine gewisse Bescheidenheit an einen Tag legen.

00:49:41: Irgendwo endet unsere Zuständigkeit und beginnen andere Zuständigkeiten.

00:49:46: Das ist deshalb sehr wichtig.

00:49:48: Es war, glaube ich sowohl dem Dezim als auch den Forum von Beginn ananliegen.

00:49:52: Die Kommunikationskanäle, die dir jetzt doch erwähnt hast – auch zur Politikverwaltung und Gesellschaft immer offen zu halten!

00:49:58: Vielen herzlichen Dank für diese Kino.

00:50:00: Herzlichen Dank!

00:50:26: Fragen, Anregungen und Beschwerden an Aufnahmebereit.atwu.ac.at.

00:50:32: Alle Infos findet ihr auch in den Shownotes.

00:50:34: Bis zum nächsten Mal!

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